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Zwei Buschmänner
(Börne und Heine)
Entstehung
Seite
207
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Börne und Consorten. 207

erzwingen gesucht! Er verlangt mit dem Revolver in derHand seine Mvnumentalitätsbefähigung; wer sie ihm nichtgewährt, ist bornirt, Zwerg, Skorpion und Giftthierchen. AnEitelkeit hat den Heine kein deutscher Dichter übertroffen. Platenhat versucht, ihm nahezukommen, dafür hat ihn Heine miteinem wahren Klapperschlangenbiß vergiftet. Als der bedauerns-werthe Mensch zehn Jahre lang in seiner Matratzengruft leidendund in Schmerzen dagelegen, suchte er sich mit dem Opium desGrößenwahns zu betäuben. Zu einer wahren Reue über seinLeben hat er es nicht gebracht, er meinte sein Gewissen zu be-ruhigen und Gott genug Ehre zu erweisen, als er imAngesichte des Todes noch mit krankhaft verzerrtem Grinseneinige krankhafte und abgeblaßte Possen über den alten Jehovagerissen und dieselben seiner Umgebung zum Besten gab.

Julian Schmidt berichtet über Börne (III. 212):

Börne in seinen Briefen an Madame Wohl ging resoluterzu Werke als Heine. Er steht auf der freiesten Höhe des Radica-lismus, ihm genügen kanm noch die Republikaner. Zwischen denbeiden entspann sich bald eine bittere Feindschaft, nicht sowohlwegen ihren politischen Ansichten, als weil der eine in der demo-kratischen Tabakskneipe, der andere im parfümirten Salon lebte,weil der eine ein Puritaner, der andere Libertin war. Sonsthaben sie viel Aehnliches. Die Unwissenheit in allen ernst-haften Fragen ist bei beiden gleich erstaunlich, beidenist der Witz der Maßstab der Wahrheit. Im Ganzen ist Börnein seinem Witz glücklicher, wie in seiner Unwissenheit unbefangener:er weiß, daß er nichts weiß, und verachtet Jeden, deretwas weiß, weil das Wissen den Charakter abschwäche. Esgenügt ihm die schon zu Moses' Zeit (?) berüchtigte Hundedemuthkleindeutscher Beamteuherrschakt zu kennen und durch Pathos undSpott zu geißeln. Gegen viele seiner Vorwürfe läßt sich nichtseinwenden, und da er selber sich niemals vermaß, etwasPositives zu leisten, so würde man seine erbitterten Angriffegegen Deutschland mit Heiterkeit hinnehmen können, wenn ihreWirkung nicht so unglaublich groß gewesen wäre. Börne ist derVater des deutschen Radicalismns, der noch heute über seinenStaudpunkt des: Entweder Oder nicht herausgekommen ist.Die strengsten Verbote fruchteten nichts, denn die feurige Rhetorikjener Briefe fand in der allgemeinen Mißstimmung über jene kläg-lichen Verhältnisse des deutschen Bundes einen bereiten Wiederhall.Es war Gemüth in seinen Vorwürfen, in jeder Theaterrecensionwar die Totalität seiner Seele: der Weltschmerz über DeutschlandsVerwahrlosung, die trauernden Juden (!) und die Hofräthe.Oft erinnert er an Jfflands polternde Alten, die den damaligen