Börne und Cvnsorten.
Reden der beiden Priester sind die einzigen, die das Geheimnißverrathcn — zu wenige Worte, zn leise ausgesprochen und nurdem Nahestehenden vernehmlich, wenn sie gut aufhorchen."
S. 246:
„Hofer ist der Papa seines Volkes, ein guter Mann, aberschwach und abergläubisch* Er ist ein Teig für Pfaffen,und die haben ihn ganz weich geknetet. Er hat Träume,und läßt sie sich von einem Pater auslegen. Wenn er schlagensoll, betet er, und wenn er geschlagen, weint er, statt den Sieg znverfolgen. Als man ibm verkündet, er sei zum Oberhanpte gewähltworden, faßt er die Thorheit gar nicht, bis ihm der Pater sagt:Begreifst du's nicht, so nimm es für ein Wunder,
Ein König wird nur durch ein Wunder König u. s. w."
Wenn ein Mensch, der sich in jedem Satze seiner Schrift alsprononcirter Jude ausspricht und der specifisch das Kritikgeschäfthandhabt, über Helden urtheilt, so mißlingt das immer.Dafür hat er offenbar kein Verständniß, ja selbst den Theater-helden, den Jmmermannschen Hofer, beurtheilt er inseiner nergelnden, Alles besser wissen wollenden, herabreißeuden,zersetzenden und hämischen Weise. Nichts ist ihm recht, jedenSatz benutzt er, um seinen Hohn darüber auszugießen. DenSpeckbacher beschimpft er auch:
„Speckbachcr ist der Mann seines Volkes. Er ist kühn, diebes-schlan, wie es sich gebührt der Uebermacht entgegen." „Speck-bachcr kennt und braucht die Pfaffen, er ist nicht ihr Knecht. Daßer nicht gewußt, warum er die Franzosen befeinde, haben wirschon gehört. Es ist bei ihm wie bei den Seinigen eineArt Sinnlichkeit, Jagdlust, Freude am Stutz, vielleichtauch dankbare Erinnerung an die landesherrlichenPreisdukaten, die er an Schützenfesten sich wohl ge-wänne. Als nach dem Frieden alles verloren, rettet er sich fürbessere Tage. Er will nicht romantisch untergeben wie Hofer.Romantik ist die Auszehrung der Freiheit, die ihr fieberrotheWangen gibt und darunter den Tod. Speckbacher ist der Thaten-held des Dramas, Hofer ist nur der Leidensheld des Romans." ^
Allerdings kritisirt nach außen hin Börne nur die Cha-raktere des Jmmermann'schen Dramas, aber in seinemInnern gewährt es ihm eine echte Judenlust, die
* Schwach? Ein Dutzend Börnes wären davongelaufen, wenn ihnenHofer nur mit ernster Miene entgegen gegangen wäre.