<16 Börne und Consorten,
kann, daß er trübe ist, begreife ich wohl, aber nicht, wie du esals Klage aufnehmen kannst. Was hat ein gesunder, junger Mensch,dem nichts abgeht, trübe zu sein? — Aber Trübsinn kommt ausseiner Unthätigkeit, die ihn schlaff macht. Du kannst ihm das Allesschreiben, ich sage es ihm auch selbst, wenn er wieder kommt.Schade ist es um ihn, wenn er in diesem Gange bleibt, aber helfenkann ihm Niemand, wenn er sich nicht selbst hilft."
Ohne Datum:
„Mit Louis Börne und mir, liebe Jette, wäre es — wie wirbeide sind — nichts geworden. Er liebt und hätschelt seine Faul-heit und Eitelkeit, und will von allen Menschen entweder gehätscheltwerden, oder hochmüthig über sie wegsehen. Das letzte kann ernicht üher mich, und das erste kann ich nicht gegen ihn: dennFaulheit und Eitelkeit sind mir an jungen Leuten ekelhaft undverhaßt. Ans diese Weise ist er eigentlich von mir abgekommen.Ein interessanter Mensch, wenn du es so nennen willst, kann erwohl immer bleiben; aber weiter glaube ich nicht, daß er etwaswird; zumal ich auch nicht einmal ein entschiedenes, tüchtiges, be-stimmtes Talent an ihm bemerkt habe, ans welches ich meineHoffnung setzen könnte, daß es Herr über ihn werden, und ihndurcharbeiten werde."
24. Wie Hrätz in seiner Nebbesphantasie behauptet,der Gater Warne, der alte Waruch, habe einen Sohn der Maria Jherestaans den Khurstuhl von Köln gebracht, wofür ihm Maria Hhcrestaeigenhändig einen ^obesbrief ausgestellt; und was der alte Waruchauch sonst noch für ein groszer Diplomat gewesen ist.
Grätz in seiner „Geschichte der Juden", 11. Bd., S. 325u. 370, berichtet natürlich über den alten Baruch ganz anders.Er ist mäuschenstill über den Frankfnrterlich-archivalischdokumentirten Schmutz, der an dem Kaftan des altenBaruch haftet, und stellt ihn als einen noblen Politiker mitgroßem Einfluß dar;
„Die Frankfurter Gemeinde hatte 2 Deputirte nach Wien(zum Congreß) gesandt, von denen der eine Jacob Baruch,Börnes Vater war, weil er am Wiener Hofe Gönner hatte. SeinVater, ehemals Finanzagent beim Kurfürsten von Köln, hatteeinst beim Kapitel die Wahl eines österreichischen Erz-herzogs durchgesetzt und dafür von Maria Theresia eineschriftliche Versicherung erhalten, daß seine Nachkommen stets inOesterreich Vorschub finden würden. Jacob Baruch scheint sichbeim Kaiser Franz auf dieses Versprechen berufen zu haben und