Börne und Consorten. 65
Der junge Baruch ist also ein ebenso nobler Gentlemangewesen, wie sein nobler, großmüthiger Herr Vater, und derjunge hat für die rührende Liebe zu seinem Tatteleben dasschönste Zeugniß abgelegt, als er ihm geschwind auf derPost die reichlichen Trinkgelder andichtete, für welche ihn (denjungen) die österreichischen Postkutscher mit Junker tauften.So waren der alte und junge BaruchGehorsame Diener des Lobulekun uruob.*
Factum bleibt, daß der junge Freiheitskrakehler auch keineMiene machte, seine während der Minderjährigkeit beim Goycontrahirten Schulden zu bezahlen. In dieses sehr sicht-bare schwarze Centrum der Charakterscheibe des edlenGesegneten (Baruch) ist hier zum ersten Male hinein-geschossen worden. Diese Handlungsweise können auch nurJuden vertheidigen, die ihre Begriffe und Anschauungen vonPflicht und Ehre sich seit ihrer Jugend nach dem Lobnloüunuruob gemodelt haben.
Hierher gehörig ist auch ein Urtheil Schleier machersüber Börne aus der Studentenzeit desselben. Schleiermacherschreibt seiner Freundin, der Jüdin Herz, über Börne**:
„Wegen Louis Börne hast du etwas Recht, und er etwasRecht, und ich gar nicht Unrecht. Freundlich tun ich ihm übrigensimmer, aber gleichgültig ist er mir sehr. Wie soll man mehrInteresse an einem Menschen nehmen, als er an sich selbst nimmt?Er fängt gar nichts mit sich selbst an, vertändelt seine Zeit, ver-säumt seine Studien, ruinirt sich durch Faulheit, und sieht dasselbst mit der größten Gelassenheit an, und sagt nur immer, eswäre ihm nun einmal so, und wenn er sich zu etwaS andermzwingen wollte, so wäre es ja denn auch nicht besser. Wie kannman auf einen Menschen wirken, der sich so den Willen selbst weg-räsonnirt? Ich weiß nicht, ob er untergehen wird; manche Naturrettet sich aus diesem Zustande; aber in diesem Zustande ist nichtsauf ihn zu wirken und kein Theil an ihm zu nehmen. Dabei zierter sich noch und ist falsch. So hat er sich z. B. gegen mich an-gestellt, als ginge er höchst ungern nach Frankfurt, und fürchte sichdort vor der schrecklichsten Langweile. Dagegen versichert michdie Reil, er habe sich gefreut darauf wie ein Kind. Wie er klagen
* Wenn der Tonfall von Baruch und aruch nicht klappt, so klapptdie dem Tattelebcn angedichtete Noblesse mit der thatsächlichenSchufterei desselben eben so schlecht.
** „Aus Schlcierinachers Leben." In Briefen. 2. Band. 2. Auf-lage. Berlin, Reimer, 1860. S. 36. 37.
Brunn cr, Zwei Buschmünncr. b