Druckschrift 
Zwei Buschmänner
(Börne und Heine)
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

54 Börne und Consorten,

verkannte sich selbst. Es war seine einzige Schuld, daß ihm seineeigene Tugend fremd geblieben, und einige Geringschätzung hatteer verdient, weil er sie zu verdienen glaubte. Armer Shewa, dirwar die verächtliche Behandlung deiner Mitmenschen, die sichChristen nennen, sv nothwcndig gewvrden, wie den tief Ein-gekerkerten die Dunkelheit, daß du das Licht einer freundlichenBehandlung nicht mehr ertragen kanntest. Wenn dein beschämterWidersacher dir seine Kränkung abbittet — wie macht dich diesestaumeln: „„Barmherziger Gott, o nein, das ist zu viel! Ich bitteSie, lieber Herr Geheimrath, sagen Sie nichts weiter: Sie machenmich roth über und über, wenn Sie sich sv weit herabgelassen,um Verzeihung zu bitten einen armen Juden. — Genug, genug,mehr als genug! Ich bitte Sie, schonen Sie meiner, ich bin garnicht gewöhnt an die Stimme des Lobes, das drückt mich zuBoden."" Warst du noch tiefer niederzudrücken?"

„Aber Jnd bleibt Ind. Shewa hing fest an seinem Gelde,selbst mitten im Himmelreiche der Tugend.-c Schien ihm nichtjede gute That, mit welcher er sein ausgehungertes Herz bewirthete,mit Geld zu theuer bezahlt? und seufzte er nicht selber über seineMilde als über eine Schwäche, die ihn überwältigte? Aber wolltihr einem Unglücklichen Alles nehmen, selbst die Hoffnung? IstGeld etwas anderes als die Hoffnung des Genusses, wie es diewohlthuende Erinnerung ist der mühsamen Erwerbung, ist es nichtVergangenheit und Zukunft, und will man den armen Juden, derkeine Gegenwart hat, auch diese rauben? Ist nicht Geld dasGrab, das Allen gemein ist, und Könige wie Bettler, Glücklicheund Unglückliche, Verfolger und Verfolgte aufnimmt? Ist esnicht die gemeinschaftliche Verwesung, die Christen und Judenuntereinander mengt, und ihre Unterscheidungszeichen aufhebt?Wie sollte Shewa das Geld nicht lieben, da Keiner an ihm liebt,als das, da Keiner an ihm liebt, was er ist, sondern nur das, waser hat."

Selbst Heine hat den Styl Börnes als „Sätze im Hunde-trab" bezeichnet. Wenn eine jüdische Größe über die anderejüdische Größe so abfällig urtheilt, so darf wohl auch nochein armer Goy sich ein wenig dem „Hunde trab" Börne-schen Styls entgegenstellen.

20. Wie dieser Hljeaterznde von den Juden im Schauspieltjausemit Erstaunen wegen seiner Jugenden betrachtet wird. Die Inquisitionnach Wärne und nach den historischen Hljatsachen.

1. Mit Erstaunen erfahren wir hier, wie Shewa nur alleMenschen lieben darf. Wenn nun ein Goy gehässig sagenwürde: Solche Inden wie Shewa, die solle man mit der