Druckschrift 
Zwei Buschmänner
(Börne und Heine)
Entstehung
Seite
43
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Börne und Consorten. 43

„Von ihrer (Goethes und Schillers) Freundschaft halte ich nichtviel, Sie kommen mir vor. wie der Fuchs und der Storch, diesich bewirthen: der Gast geht hungrig vom Tische, der Wirth, über-satt, lacht im Stillen, Doch kommt Storch Schiller besser dabeiweg, als Fuchs Goethe, Elfterer kann in Goethes Schüssel sichwenigstens seinen spitzen idealen Schnabel netzen, Goetheaber mit seiner breiten, realistischen Schnauze kann garnichts aus Schillers Flasche bringen,"

„Goethe schreibt: „„Ich bin jetzt weder zu Großem noch zuKleinem nütze, und lese nur indessen, um mich im Guten zu er-halten, den Herodot und Thucpdides, an denen ich zum erstenMale eine ganz reine Freude habe, weil ich sie nurihrer Form und nicht ihres Inhalts wegen lese,"" Beiden Göttern, das ist ein Egoist, wie nicht noch einer! Goetheummanert nicht bloß sich, daß ihn die Welt nicht überlaute; erzerstückelt auch die Weit in lauter Jchheiten, und sperrt jede be-sonders ein, daß sie nicht heraus könne, ihn nicht berühre, eheer es haben will. Hätte er die Welt geschaffen, er hätte alleSteine in Schubfächer gelegt, sie gehörig zu schematisiren, hätteallen Thieren nur leere Felle gegeben, daß sie Liebhaber aus-stopfen, hätte jede Landschaft in einen Nahmen gesperrt, daß esein Gemälde werde, und jede Blume in einen Topf gesetzt, sieaus den Tisch zu stellen. Was wäre auch nebulistischer, als dasunleidliche Durcheinanderschwimmen auf einer Wiese! GoethesHoklente bewundern das und nennen es Sachdenklichkeit, ichschlichter Bürger bemitleide das und nenne eS: Schwachdenklich-keit," — „Ist Goethe glücklich zu nennen? Er iü so arm und soallein! Ihm kommt jeder Wunsch erst nach dessen Erfüllung, erbegehrt nur, was er schon besitzt. Aber die Welt ist groß undder Mensch ist klein, er kann nicht Alles fassen. Nur die Sehn-sucht macht reich, nur die Religion, die, uns der Welt gebend, unsdie Welt gibt, thut genug. Ich möchte nicht Goethe fein, erglaubt nichts, nicht einmal das, was er weiß,"

III. 373:

„Ich war immer erstaunt, daß unseren zwei größten Dichternder Witz gänzlich mangelt, aber ich dachte: sie haben Adelstolz desGeistes und scheuen sich, da, wo sie öffentlich erscheinen, gegen denWitz, der plebejischer Natur ist. Vertraulichkeit zu zeigen. ImHause, wenn sie keiner bemerkt, werden sie wohl witzig sein. Dochals ich ihren Briefwechsel gelesen, fand ich, daß sie im Schlafrockenicht mehr Witz haben, als wenn den Degen an der Seite," „DerMangel an Witz tritt bei Goethe und Schiller da am häßlichstenhervor, wo sie in ihren vertraulichen Mitthcilungen Menschen,Schriftsteller und Dichter beurtheilen. Es geschieht dieses oft sehrderb, oft sehr grob, aber es geschieht ohne Witz, Das Feuerbrennt, aber es leuchtet auch, das Licht warnt vor dem Schmerzund bezahlt ihn, Tadel ohne Witz ist Gluth ohne Licht. DasLob braucht den Witz, verträgt ihn nicht, Wohlgefallen ist nur,