Mißerfolg
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als Poet verloren; er muß seinem freien Geiste, seinem unbefangnenÜberblick Lebewohl sagen und dagegen die Kappe der Borniertheitund des blinden Hasses über die Ohren ziehen. Der Dichter wirdals Mensch und Bürger sein Vaterland lieben, aber das Vaterlandseiner poetischen Kräfte und seines poetischen Wirkens ist das Gute,Edle und Schöne, das an keine besondere Provinz und an keinbesonderes Land gebunden ist, und das er ergreift und bildet, woer es findet. Er ist darin dem Adler gleich, der niit freiem Blicküber Ländern schwebt und dem es gleichviel ist, ob der Hase, aufden er herabschießt, in Preußen oder Sachsen läuft."
Goethe dachte bei seiner weisen Mahnung in erster Linie anühland, der sich durch sein starres Eintreten für das „alte gute Recht"als Dichter zersplitterte, er hätte mit noch größerem Recht an Heinedenken können. Der Altmeister liebte die beiden jüngeren Dichter wenig.Vielleicht nicht, weil ihre einzelnen Leistungen ihm mißfielen, sondernweil ihre innerste Auffassung der Kunst der seinen widerstrebte.Sie besaßen nicht die völlige und ausschließliche Hingabe an diePoesie, die er von dein Dichter verlangte und die die Vorbedingungaller großen Leistungen ist. Mit dem Irrtum, daß die Kunst eineschöne Nebensache sei, eröffnete Heine seine poetische Laufbahn. DiePolitik erschien ihm als das Leben selbst, die Poesie nur als einmatter Widerschein des Lebens. Er glaubte, als Politiker poetisch,als Poet politisch wirken zu können. Die Folge war, daß er inder Politik nichts leistete und daß ihm, vielleicht mit Ausnahmedes „Atta Troll", nie ein größeres Kunstwerk gelang. Seine Dramenlösten sich in Feuilletons auf, seine Romane scheiterten. Den Grunddieser Mißerfolge suchte Heine in der Ungunst der Verhältnisse;in den „Gedanken und Einfällen" äußerte er: „In einer vorwiegendpolitischen Zeit wird selten ein reines Kunstwerk entstehen. DerDichter in solcher Zeit gleicht dem Schiffer auf stürmischem Meere,welcher fern am Strande ein Kloster auf einer Felsklippe ragensieht; die weißen Nonnen stehen dort singend, aber der Sturmüberschrillt ihren Gesang." Die Zeit der „Göttlichen Komödie",des „Hamlet" und der „Wahlverwandschaften" war sicher nicht
Wolff, Heine 41