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XXIII. Der Kampf um Heine
bei der Vernichtung des Alten leistete. Die großen Fragen derZeit hat er dagegen immer nur gestreift, sei es daß er sie alsDichter oder als Feuilletonist berührte. Sie kamen für einen Mannnicht in Betracht, der instinktiv alles unter dem Gesichtspunkt seineseignen Emporkommens betrachtete. In dieser Hinsicht freilich hat Heineeinen vollen Erfolg erreicht. Er zeigte, daß ein Sproß jüdischer Abstam-mung trotz dieser Abstammung ein Dichter in zwei Sprachen, einführender Politiker, der erste Journalist und der geistreichste MannEuropas sein konnte. Sein Sieg war zugleich ein Sieg des Juden-tums. Mochte es sich von ihm lossagen, die Erfolge Heines kamenseinen ehemaligen Glaubensgenossen zugute und sein Ruhm nütztejedem einzelnen von ihnen. Er war trotz seiner persönlichen Abneigunggegen die Juden ein Bahnbrecher des aufstrebenden Judentums.„Das geistig-strenge Band ist nicht zu trennen." Er muß es sichgefallen lassen, daß er als Vertreter dieses Judentums von derGeschichte betrachtet wird. Der Kampf um Heiue wird und mußdauern, solange das Judentum selber Gegenstand eines Kampfesist, solange die zahlreichen religiösen, politischen und wirtschaftlichenFragen, die der Eintritt der Inden in das Kulturleben aufgeworfenhat, keine befriedigende Lösung gefunden haben. Sie wird gefundenwerden, freilich weder im Sinne der milden Weisheit Nathansnoch durch die Unterdrückung Shylocks. Der Zeitpunkt mag nochfernliegen, aber kommen wird er, und dann wird man den Poli-tiker Heine zu den Akten legen.
Sein persönlicher Anteil an diesem Kampf wäre so gut wieder Börnes längst vergessen, wenn der unsterbliche Dichter dieErinnerung an den sterblichen Menschen nicht beständig wachhielte.Weil der eine noch lebt, kann der andre im Grabe keine Ruhefinden und bildet noch heute den Gegenstand des Angriffs unddes Hasses. Der greise Goethe sprach wenige Wochen vor seinemTode zu Eckermann: „Hüten wir uns, mit unseren Literatoren zusagen, die Politik sei die Poesie, oder sie sei für den Poeten einPassender Gegenstand. . . . Sowie ein Dichter politisch wirken will,muß er sich einer Partei hingeben, und sowie er dieses tut, ist er