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XXIII. Dcr Kampf um Hcinc
krasseste Egoist. Seine ganze Politik läuft darauf hinaus, zu zeigen,daß er Geist und in dem Geiste eine Macht besitzt. Es geschiehtnicht nur aus Eitelkeit und Selbstgefälligkeit, sondern der verachteteSprößling des Ghettos muß sich die Anerkennung Europas erzwingen,um die ihm gebührende Stellung zu erobern. Er muß in der Weltbrillieren. Der Inhalt seiner Polemik ist daher ziemlich gleichgültigund ihm selber am gleichgültigsten. Er hat wohl eine Überzeugung,aber er kann auch gegen sie schreiben. Ihn interessiert nicht, waser vorbringt, sondern nur wie er es vorbringt. Man kann ihmdie unglaublichsten Widersprüche nachweisen, man hat ihn alsinkonsequent, schwankend, bestechlich und treulos gebrandmarkt, manübersieht, daß er dem, was ihm wirklich heilig ist, d. h. der Form,stets die Treue gehalten hat. Bei Sendung der kleinen Abhandlungüber Ludwig Marcus schreibt er an Campe die bezeichnenden Worte:„Wenn Sie diese Denkrede lesen, .so lassen Sie sich vorher vonIhrer Frau ein Kissen geben und lesen Sie das Werk knieend,denn Sie werden nicht alle Tage Gelegenheit finden, einen so gutenStil anzubeten. Ich überzeugte mich mit Freuden, daß der ganzezweite Teil anbetungswürdig ist in stilistischer Beziehung." Dasist nicht die Redensart eines eiteln Narren, sondern die echteEmpfindung des Künstlers, dem ein großer Wurf gelungen ist.Die Schrift gehört inhaltlich zu dem Unbedeutendsten, was Heinegeschrieben hat, sie enthält ein paar sympathische Worte fürden Verstorbenen und eine Jugenderinnerung des Verfassers; aberwas geht ihn der Inhalt an? Durch die Form erweist er, daßer ein Künstler ist.
Heine hat den Dichter in den Dienst des Politikers gestellt.Er hat zwar nicht gedichtet, um Politik zu treiben. Das ist unmög-lich, denn während des Schaffens hört der Künstler auf, etwasanderes als Künstler zu sein, aber er hat doch die Dichtung alsein Mittel betrachtet, sich selbst eine politische und gesellschaftlicheStellung zu schaffen. Diese Zweckverbindung von Kunst und Politikwar durch seine jüdische Abstammung bedingt. Das Judentumwurde ihm verhängnisvoll, weil es ihm eine völlige, selbstlose