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Heinrich Heine
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XXIII. Der Kampf um Hcinc

Der Großvater handelt noch mit alten Kleidern oder mit Hasen-fellen, der eine Sohn bringt es zum Millionär, und gestützt aufseinen Reichtum erhalten die Neffen eine gute Erziehung. Sie sindhochbegabt, mit Kräften ausgerüstet, die Jahrhunderte geschlummerthaben und nun Betätigung verlangen. Der eine bringt es zumhohen Sanitätsoffizier in Petersburg, der zweite in Wien zumBaron, der dritte wird in Paris Journalist von internationalemWeltruf. Ihre Wege sind vielleicht nicht immer einwandfrei, aberdas Ziel ist erreicht, sie gehören zu den Besitzenden und Genießen-den. Mit einem Fuß stehen sie zwar noch im Ghetto trotz derTaufe. Heine beherrscht die deutsche Sprache noch sehr mangelhaft,als er schon seine ersten Gedichte schreibt; im Familienkreise, wennes gemütlich hergeht, wird noch gemauschelt, und selbst in denPariser Briefen au Mutter und Schwester gebraucht der Dichtergern hebräische Ausdrücke. Es mag Spaß sein, aber die Leuteverstehen sich in „Judäas Dialekte" doch besser als auf hochdeutsch.Heine kann sich mit Recht rühmen, daß er der beste deutsche Stilistseiner Zeit sei, aber den schwierigen Gebrauch des Konjunktivs er-lernt er nie, sowenig wie ihn je ein Ausländer im Deutschen erlernt.

Der Jüngling denkt nicht daran, Politik zu treiben. Erst alser sieht, daß andere einen viel größeren Vorteil vom Leben habenals er, als er merkt, daß ihm außer seiner Dichtkunst so ziemlichalles fehlt, was das Dasein schön und augenehm gestaltet, steigter in die Arena. Da er die Gabe des Dichters in den Dienst derPolitik stellen kann, klingt die Phraseologie des Liberalismus inseinem Munde wie ein berauschender, nie gehörter Sang. Manerhebt ihn, der selber weiß, daß er kein Politiker ist, sofort zumpolitischen Führer. Aber als ihm in Paris sein persönlicher Anteilam Lebensgenuß gesichert ist, hat er die liberalen Phrasen unddie ganze Politik satt. Mit der Erklärung, daß er nie Republikanergewesen sei und daß er als Protestant mit den Juden nichts zuschaffen habe, sucht er die ehemaligen Mitkämpfer und Glaubens-genossen abzuschütteln. Einem Privatmann in bescheidener Stellungwürde es unschwer gelingen; auf den großen Dichter, den ganz