Der Liberalismus
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hochstehenden Juden wie Börne und Heine, unsagbar seicht unddoch wieder unsagbar gefährlich. Aus dem reichen Material derAufklärung und der Revolution greifen sie nur das heraus, waspraktisch verwertbar, jedermann verständlich und unmittelbar wirksamist. Sie machen den Kampf zweier Weltanschauungen, das Ringenzwischen Vernunft und Geschichte, populär, daß jeder daran teilnehmenkann, aber sie trivialisieren es auch. Sie prägen die Ideale in Scheide-münze aus und sie stumpfen die Prinzipien zu Schlagwörtern ab.Sie führen den Kampf zu ebner Erde, nicht im Reiche der Geister.Darum beruht auch das Bündnis des Liberalismus mit dem Juden-tum auf einer unsicheren Grundlage. Der Liberalismus unterstütztdie jüdischen Ansprüche mehr aus Grundsatz als aus Freundschaft.Er ist doktrinär und befolgt selbst gegen seine Sympathien dieDoktrin; das Judentum selbst kann nur unter der liberalen Flaggekämpfen, aber der einzelne Jude kann, wenn es sein Vorteil er-heischt, ebensogut Hand in Hand mit den Konservativen gehen.Er ist nach seiner ganzen individualistischen Veranlagung völligunpolitisch. Nur unter äußerem Druck schließt sich der Jude zu-sammen, sobald dieser schwindet, zieht jeder einzelne seine Wege,um seinem privaten Vorteil und Genuß nachzugehen. In denVereinigten Staaten leben Millionen von Juden, aber in diesemLande, wo das gesamte bürgerliche Leben durch die Politik beherrschtwird, ist es unmöglich, eine jüdische Partei zu gründen. Die Leutekönnen ungehindert ihre freigewählte Existenz leben und sie sind zu-frieden. Das außerordentliche starke Gemeinschaftsgefühl besteht nurso lange, als es durch einen äußeren Gegensatz erhalten wird. DerJude lebt in der Gegenwart und hofft auf die Zukunft, aberdiese Zukunftshoffnungen sind unbestimmt und chiliastisch, keineklaren Ziele, für die man wirken und werben kann. Es ist einekrasse Ironie der Geschichte, daß dieses durch und durch unpolitischeVolk durch eine zufällige Konstellation berufen war, Deutschlandspolitische Wortführer und Vorkämpfer zu stellen. Sie haben dieliberale und die jüdische Sache in gleicher Weise geschädigt.
Heine ist der typische Vertreter dieses aufstrebenden Judentums.