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XXIII. Der Kamps um Heiuc
noch immer nicht gelungen ist, den Dichter und den Parteimannzu trennen.
Einen Kampf um den Dichter kann es überhaupt nicht geben,und wenn es einen solchen gegeben hat und noch gibt, so liegt esan einer falschen ästhetischen Theorie, die das Wesen des Kunst-werks in dem Erlebnis des Künstlers suchte und den Wert derDichtung nach der Stärke und der Unmittelbarkeit des Erlebnissesbeurteilte. Diese Theorie, die sich mit einem Schein von Rechtauf Goethe berief und es immerhin ermöglichte, ihn als den größtendeutschen Dichter zu feiern, versagt bei Heine vollständig, wie siebei den meisten andern Dichtern versagt. Gustav Freytag erklärteinmal: „Sophokles ist uns mehr als sieben lückenhaft erhalteneTragödien." Das klingt ebenso geistreich, wie es falsch ist. Alles,was wir von dem griechischen Tragiker wissen, sind diese siebenTragödien, und nur durch sie und in ihnen existiert er für uns.Der Künstler lebt nur durch sein Werk und sein Leben verhält sichzu diesem Werk wie der Rohstoff zur Form. Der eine besitzt einezeitliche, die andre eine ewige Bedeutung. Aufgabe der „echtenGöttersöhne", d. h. der Dichter, ist es, das, „was in schwankenderErscheinung schwebt", mit „dauernden Gedanken" zu befestigen.Dadurch wird der Stoff zum Kunstwerk.
Die Kritik griff den Zwiespalt auf, der zwischen Heines äußeremLeben und seiner Poesie bestand. Der Mann fiihrte ein moralischnicht einwandfreies Leben, er benahm sich zuweilen wie ein litera-rischer Abenteurer, er schätzte den materiellen Genuß über alles, erwar frivol und leichtfertig, und doch dichtete er die tiefempfundenstenLiebeslieder, er schwang sich in der Dichtung zu einer Höhe auf,wo alle Schlacken seines Daseins von ihm abfielen. Den Anhängernder Erlebnistheorie war das unbegreiflich; es durfte nach ihrenVoraussetzungen eigentlich gar nicht vorkommen. Das Leben Heineswar tatsächlich belegt, an den Tatsachen ließ sich nicht zweifeln,folglich zweifelte man an der Poesie. Sie war nicht erlebt, folglichunecht, gemacht, ohne wahre Empfindung, wenn nicht gar erlogen.Dieser Dichter sang von Liebe und hatte offenbar niemals rein