XXIII. D e r K a m p f II III Heil! e
er Kampf um Heine, der noch heute nicht abgeschlossen ist,beginnt nicht erst mit dem Tode des Dichters, sondern ersetzt schon mit seiner Übersiedlung nach Paris ein. Seit diesemZeitpunkt ist er nicht nur Kämpfer und Parteimann, sondern auchGegenstand und Mittelpunkt eines Kampfes, in dem sich die Parteiennach der Verschiedenheit ihrer historischen Stellung, ihrer politischenAnsicht, ihrer Religion und Weltanschauung um ihn gruppieren.„Für oder wider Heine", das ist die Losung, unter der sich dieGeister scheiden, und um so erbitterter platzen sie aufeinander, alsder Dichter selbst weder zu dem einen noch zu dem andern Lagereine klare Stellung eingenommen hat. Seine schwankende, ja un-zuverlässige Haltung hat den sachlichen Gegensätzen eine besonderepersönliche Schärfe verliehen, aber auch ohne sie würde der Kampfum Heine noch heute fortdauern.
Er hat zeitweilig kindliche und groteske Formen angenommen,besonders bei dem lächerlichen Streit um das Heinedenkmal. Esist im Grunde ganz gleichgültig, ob der Dichter ein Standbild in.Düsseldorf am Rhein oder in Hamburg an der Elbe besitzt undob dieses aus einem öffentlichen Platz oder auf einem privatenGrundstück steht. Der eine mag Heine für den größten Lyrikernach oder neben Goethe halten, der andre ihm Uhland, Lenau oderMörike vorziehen, begeisterte Verehrer der äußeren Form mögenPlaten, tiefreligiöse Gemüter Klopstock oder Paul Gerhard höherstellen. Das ist Geschmackssache. Alle diese Dichter besitzen irgend-wo ein Marmordenkmal, und mit gleichem Recht könnte man auchHeiue ein solches setzen. Es kommt wenig darauf an. Die denkmals-wütige Zeit dürfte in Deutschland auf lauge vorüber sein, undwenn wir einst wieder Lust und Geld für Kunstwerke haben werden,findet sich wohl auch ein Platz für den Verfasser des „Buchsder Lieder". Und wenn nicht, so ist es nicht sein Schade undnur ein Beweis, daß der Kampf um Heine weitergeht, daß es
Wolff, Heine 40