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XXII. Das Ende
und es ist nicht anzunehmen, daß außer den jetzt bekannten Schriftenund Gedichten eine weitere Zeile Heines zum Vorschein kommenwird. Auch Christiani, der zur Herausgabe der Gesamtwerke be-rufen war, konnte diesen Auftrag nicht erfüllen. Er starb schon1859, noch ehe er mit der Arbeit begonnen hatte. Er war eintüchtiger Jurist und ein ehrlicher liberaler Parteimann, aber diephilologische Schulung, die diese Aufgabe erforderte, besaß er nicht.Heine hatte ihn gewählt, weil ihm in seinem Freundes- und Ver-wandtenkreise eine geeignetere Persönlichkeit nicht zur Verfügungstand. In dem ersten Testament hatte er Laube und Detmolddamit betraut, aber die Beziehungen zu beiden hatten sich mit denJahren gelockert. Dem Dichter lag auch weniger an einem sach-verständigen Literaten als. au einem ehrlichen Mann, der wederdurch den „merkantilischen Geist" Campes noch durch die In-trigen der Familie zu beeinflussen war. Dies Vertrauen setzteer in Christiani.
Mathilde zog sich nach dem Tode ihres Mannes nach Passyzurück. Sie lebte dort still und bescheiden und gab der Öffentlichkeitkaum Gelegenheit, sich mit der Person von Heines Witwe zu be-schäftigen. Wenn sich sein literarischer Nachlaß bei ihr nicht intreuen Händen befand, so wird man der beschränkten Frau kaumeinen Vorwurf machen oder höchstens insoweit, als sie jedem ver-ständigen und wohlmeinenden Rat ihr Ohr verschloß. Daß sie dievorhandenen Manuskripte nicht Campe auslieferte, wird man ihrverzeihen. Sie zitterte für ihre bescheidene Rente und außerdemhatte sie aus dem Munde ihres Mannes so ungünstige Urteileüber seinen Verleger gehört, daß sie weder ihm noch seinen Be-auftragten vertrauen konnte, mochten diese selbst ehrliche und be-geisterte Freunde des Verstorbenen wie Meißner und Strodtmannsein. An Campe rächten sich mit dem Tode Heines die kleinlichenMäkeleien, mit denen er den Lebenden gequält hatte. Indirekt trifftihn ein Teil der Schuld, daß Heines Nachlaß in alle Welt zer-streut wurde. Mathilde überlebte den Dichter um siebenundzwanzigJahre. Sie starb 1883 und wurde, wie es ihr Gatte in dem ersten