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XXII. Das Ende
Es waren etwa hundert Personen, die sich am Vormittag des20. Februar versammelten, um den toten Dichter zu Grabe zutragen. Zum größten Teil waren es Deutsche, teils in Paris an-sässige Landsleute, teils vorübergehende Besucher der fremden Stadt.Unter den Franzosen befanden sich Alexander Dumas, ThsophileGautier und der Historiker Mignet. Es war ein kalter, nebligerWintertag. Schweigend schritten die Männer daher, schweigendstanden sie an dem offnen Grabe und lautlos wurde der Sarg hinab-gelassen. Niemand hielt eine Rede. Dann trennte man sich, undjeder ging seines Weges. Ein armseliger Stein mit der Inschrift„Henri Heine" wurde auf der Stätte errichtet. Mit Recht lehnteMathilde ein glänzenderes Denkmal ab, das Gustav seinem Brudererrichten wollte. Er hatte nicht die Befugnis, den Toten zu ehren,den er im Leben so wenig geehrt hatte. Aber weiter reichte diePietät der Witwe nicht. Sie vernachlässigte die Stätte des Toten,und schon zu Mathildens Lebzeiten war die Inschrift bis zur Un-kenntlichkeit verwittert. Freunde aus Deutschland und Österreich tatensich nach ihrem Tode zusammen, um das Grab des Dichters ineinem bescheidenen, aber würdigen Zustand zu erhalten. Jetzt wirdes durch das stimmungsvolle Denkmal des Bildhauers Hasselriisgeschmückt.
Wie wir gesehen, hatte Heine 1846 sein erstes Testament er-richtet. Es wurde zwei Jahre später durch ein neues ersetzt, unddieses wieder 1851 durch ein drittes und letztes, das allein Gültigkeitbesitzt. Mathilde war danach die einzige und unbeschränkte Universal-erbin, wie in dem ersten Paragraphen festgesetzt wird. Der zweitebefaßt sich mit der Pension des Dichters. Die Großmut SalomonHeines wird betont und es heißt von ihm: „Er, dessen Freigebigkeitso viele Personen bereichert hat, die seiner Familie und seinemHerzen fremd waren, darf nicht einer kärglichen Knauserei be-schuldigt werden, wo es sich um das Schicksal der Gemahlin einesNeffen handelte, der seinen Namen berühmt machte. Die geringstenWinke und Worte eines Mannes, der die Großmut selber war,müssen als großmütig ausgelegt werden. Mein Vetter Karl Heine,