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Heinrich Heine
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Der Tod

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schlössen. Er war als Leiche so schön, wie ihn niemand, der ihn ge-kannt, im Leben gesunden; sogar sein Arzt behauptete, nie wahr-genommen zu haben, daß der Tod selbst über jugendliche Gesichterso viel Verklärung ausgegossen. Die Todenmaske, die man abnahm,hielt treu und dauernd diese Züge fest."

In diesem Bericht klingt manches recht unwahrscheinlich. Esist kaum glaubhaft, daß ein „Bekannter" in das Zimmer einesSterbenden „stürzt" und ihn mit der peinlichsten Gewissensfragebelästigt. Selbst wenn Meißner in der Lage wäre, den Namenanzugeben, würde man sein Zeugnis mit Zweifel ausnehmen. DieErzählung ist offenbar eine nachtägliche Erfindung. Der sterbendeDichter, der auf dem Totenbett noch geistreich ist und frivoleWitze macht, mag manchem seiner Freunde in besonderem Maßeheroisch erscheinen. Ihrer Phantasie verdankt wohl die Anekdoteihren Ursprung, die übrigens, wenn meine Erinnerung mich nichttrügt, in ähnlicher Weise von Voltaire erzahlt wird.

Am 17. Februar morgens gegen fünf Uhr trat das Ende ein.Am Vormittag sah die Mouche den Toten. Sie wurde in ein stillesZimmer geführt, „wo die Leiche wie eine Statue auf einem Grabmalin der erhabenen Unbeweglichkeit des Todes lag. Nichts Menschlichesmehr in diesen kalten Zügen," heißt es in ihren Aufzeichnungen, „nichtsmehr, was an den erinnert hätte, der da geliebt, gehaßt und gelitten:eine antike Maske, über welche die Ruhe des Todes die Eisschichteiner stolzen Gleichgültigkeit gelegt hatte, ein bleiches Marmorgesicht,dessen schöne Linien an die erhabensten Meisterwerke der griechischenKunst erinnerten. So habe ich ihn zum letztenmal gesehen!"

Der Dichter hatte den Wunsch ausgesprochen, auf dem einfachenFriedhof Montmartre, der Ruhestätte der „Verbannten und Ge-ächteten", in möglichst prunkloser Weise und ohne jedes religiöseZeremoniell beigesetzt zu werden. Ihm geschah nach seinem Willen.

Keine Messe wird man singen,keinen Kadosch wird man sagen,nichts gesagt und nichts gesungenwird an meinen Sterbetagen. (1,423.)