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Heinrich Heine
Entstehung
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613
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Die Mouche

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Kuß auf Hand und Wange der Geliebten drücken kann. Er möchtegenießen und der letzte Aufschrei des Gequälten gilt dem Genuß,dem er sein ganzes Leben geweiht hatte, dem Genuß, der vor ihmliegt und doch unerreichbar fern ist. Mit verzweifeltem Ingrimmblickt er auf seine gelähmten Glieder. Er flucht seinem Schicksal, erbäumt sich dagegen auf. Umsonst! Er muß froh sein, wenn derSpott über sich selber ihm einen leichten Trost gewährt:

Wahrhaftig, wir beide bildenein kurioses Paar,

die Liebste ist schwach auf den Beinen,der Liebhaber lahm sogar.

Sie ist ein leidendes Kätzchen,und er ist krank wie ein Hund,ich glaube im Kopfe sind beidenicht sonderlich gesund.

Sie sei eine Lotosblume,bildet die Liebste sich ein;doch er, der blasse Geselle,vermeint der Mond zu sein.

Die Lotosblume erschließetihr Kelchlein im Mondenlicht,doch statt des befruchtenden Lebensempfängt sie nur ein Gedicht. (II, 51.)

Die Lotosblume und der Mond! Längst vergessene Symboleder Romantik dämmerten wieder auf. Es war lange her, daßHeine solche Töne angeschlagen, aber wenn die Leidenschaft denSterbenden auch noch einmal zum Lyriker machte, seine Poesiebleibt bitter, voll Hohn über sich selbst und das Schicksal, daseinem Mann Liebe beschert, der nicht mehr lieben kann. Ihmfehlte das Gefühl des Dankes, daß ihm das Leben an der Schwelledes Grabes noch einmal so viel gewährte, er kannte nur dieBegier, noch mehr zu genießen. Einzig in der einen großen Vision,die nach Meißners Angabe kaum zwei, höchstens drei Wochen vorseinem Ende verfaßt wurde, ringt sich Heine zwar nicht zur Entsagung,so doch zu einem ruhigen Gefühl durch. Im Traum sieht er sich alsGestorbenen und zu seinen Häupten die Geliebte als Marterblume: