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XXII. Das Ende
Es steht ein offner Marmorsarkophagganz unverstümmelt nnter den Ruinen,und gleichfalls unversehrt im Sarge lagein toter Mann mit leidend sanften Mienen.
Doch, wunderbar! Derweilen solcherleiBildwerke träumend ich betrachtet habe,wird Plötzlich mir zu Sinn, ich selber seider tote Mann im schönen Marmorgrabe.
Zu Häupten aber meiner Ruhestatt'stand eine Blume, rätselhast gestaltet,die Blätter schwefelgelb und violett,doch wilder Liebreiz in der Blume waltet.
Du warst die Blume, du geliebtes Kind,an deinen Küssen mußt' ich dich erkennen.
So zärtlich keine Blumenlippen sind,so feurig keine Blnmentränen brennen!
Geschlossen war mein Aug', doch angeblickthat meine Seel' beständig dein Gesichte,du sahst mich an, beseligt und verzücktund geisterhaft beglänzt vom Mondenlichte!
Wir sprachen nicht, jedoch mein Herz vernahm,was du verschwiegen dachtest im Gemüte, —das ausgesprochene Wort ist ohne Scham,das Schweigen ist der Liebe keusche Blüte.
Lautloses Zwiegespräch! Man glaubt es kaum,wie bei dem stummen, zärtlichen Geplauderso schnell die Zeit verstreicht im schönen Traumder Sommernacht, gewebt aus Lust und Schander.
Was wir gesprochen, frag es niemals, ach!den Glühwurm frag, was er dem Grase glimmert,die Welle frage, was sie rauscht im Bach,den Westwind frage, was er weht und wimmert.
Frag, was er strahlet, den Karfnnkelstein,
Frag, was sie duften, Nachtviol' und Rosen —doch frage nie, wovon im Mondenscheindie Marterblume und ihr Toter kosen! (II, 45.)