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XXII. Das Ende
am Lager des Patienten. Die Geschwister Plauderten und ge-dachten der alten Zeit.
Mein Kind, wir waren Kinder,
zwei Kinder, klein und froh!
Lange war das her! Viel hatte sich verändert! Leider erkrankteeines von Charlottens Kindern in Hamburg, so daß sie die Rückreiseüberhastet schnell antreten mußte. Sie, die liebste, war auch dieletzte, die Heine von seinen Angehörigen erblickte.
Auch eine junge Deutsche stieg im Juli 1855 zum erstenmaldie steilen Treppen zu der Wohnung des Dichters hinauf. Mitklopfendem Herzen stand sie an der Tür. Ob sie eingelassen wurdezu dem berühmten Mann, dessen Gedichte sie auswendig wußte, zudem ihr unbekannten Sänger, den sie liebte? Er hatte einen gutenTag, sie durfte eintreten. Da lag der Verfasser des „Buchs derLieder", ein abgezehrter, gelähmter Mann mit einem bleichen, schmerz-durchfurchten Gesicht. Müde hob er sein Auge zu der Fremdenempor, ein Lächeln glitt über seine Züge, als er die schlanke, mittel-große Gestalt gewahrte, das feine, hübsche Gesicht mit dem hell-braunen, gewellten Haar, dem kecken Stumpfnäschen und den schel-misch lächelnden Augen. Sie redete ihn wohl zuerst auf französischan, aber bald wich die fremde Sprache dem Deutschen. Es klangdoch besser, kam ganz anders von Herzen, und zu dem „süßenSchwabengesicht" paßten nur die Laute der Muttersprache.
Wer war die Fremde, die wie ein Engel des Lichtes, einBote der Gnade, in die qualvolle Krankenstube des Sterbendentrat? Wir wissen nicht, ob sie dem Dichter ihren Lebenslauf er-zählt hat, oder ob es ihm genügte, daß sie an seinem Bett saß,ohne zu fragen, von wannen sie kam und wer sie war. Vielleichtkannte er kaum ihren richtigen Namen, sie war für ihn nur die,,Mouche".s(Fliege), wie er sie nach dem Zeichen ihres Petschaftesnannte. Ein rätselhaftes Dunkel liegt über ihrer Gestalt, das selbstdurch ! ihre Erinnerungen an Heine, die sie unter dem NamenKamilla Seiden vor etwa dreißig Jahren herausgegeben hat, nurwenig gelichtet ist. Mit Sicherheit läßt sich sagen, daß sie Deutsche