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Heinrich Heine
Entstehung
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609
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Besuche

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dumm von dir, du bist ein Schwachkopf!" Das Evangelium derMaterie hatte sich bitter an seinem Jünger gerächt. Klangen ihmnicht seine eignen Verse wie Hohn:

Die dumme Leiberquälereihat endlich aufgehöret?

Wie ein Märchen mochte es dem Kranken vorkommen, daß er einstvon Leben und Lebensgenuß gesungen hatte.

Erst im Mai 1855 besserte sich sein Befinden. Damals verließihn sein tüchtiger Sekretär Reinhardt. Es war ein harter Verlustfür den Dichter, der sich an den treuen Mann gewöhnt hatte undschwer in Paris einen Ersatz finden konnte. Zunächst mußte erunter unsäglicher Mühe den Bleistift wieder selber in die Handnehmen und erst gegen Ende des Jahres stellte sich eine Persön-lichkeit ein, die ihm wenigstens die lästige Schreiberarbeit abnahm.Der neue Mann sollte nicht mehr viel zu tun haben.

Das Jahr brachte die erste Weltausstellung, das Wahrzeicheneiner neuen Zeit, das Symbol einer Annäherung der Völker. Sieerfolgte nicht, wie der kranke Dichter einst geträumt hatte, durch dieverbrüdernde Macht der romantischen Idee, sondern durch den Druckder eisernen Schienen, die jetzt alle Länder Europas verbanden unddie Entfernungen von einst auf wenige Stunden herabminderten.Die Politik des Eisens war da, die des Blutes brach an, es warkeine Zeit mehr für den letzten Romantiker auf Erden. Wenigehundert Schritte von seinem Krankenlager erhob sich der Industrie-Palast, der den Sieg einer neuen Epoche verkündete. Heine fordertedie Freunde dringend auf, diese erste Messe der Welt zu besichtigen,und viele von ihnen kamen, unter ihnen Kolb, Stahr, Meißner,Fanny Lewald. Der Sommer brachte ihm zahlreiche Besucher, mehrals der Kranke, den die Welt allmählich vergaß, in den letztenJahren gehabt hatte. Im Herbst 1855 erfüllte die SchwesterCharlotte seinen dringenden Wunsch und suchte ihn in Be-gleitung des Bruders Gustav auf. Die Wohnung in der AvenueMatignon war groß genug, um ihr Unterkunft zu gewähren.In den zwei Monaten ihres Aufenthaltes saß sie lange Stunden

Wolfs, Heine 33