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XXII. Das Ende
konnte. Da unten jagte das Leben vorbei, das Leben, das er sounbändig geliebt hatte und noch liebte, und hier oben lag er, einsiecher, gelähmter Mann, der den Tod herbeisehnte und sich dochwieder an den schalen Rest von Dasein in der Krankenstube klam-merte. „Sie können sich denken," sagte er zu einem deutschen Be-sucher, „wir mir zumute war, als ich nach so vielen Jahren vonhier aus zum erstenmal wieder mit meinem einen halben Augedie Welt sah, und es war doch so wenig. Ich hatte mir dasOpernglas meiner Frau auf meiu Lager reichen lassen und sahmit unglaublichem Vergnügen einem Pastetenbäckerjungen nach, derzwei Damen in Krinolinröcken seine Pastetchen anbot, und einemkleinen Hunde, der daneben auf drei Beinen stand und sich er-leichterte. Da machte ich das Glas zu; ich wollte nichts mehrsehen, denn ich beneidete den Hund!"
Heine hatte im Herbst 1852 „aus Ökonomie" seine alte Wärterin,die Mulattin, entlassen; die neue sorgte offenbar schlecht für denPatienten, denn unmittelbar nach der Übersiedlung in die AvenueMatignon erkältete er sich infolge ihrer Nachlässigkeit. Die Erkältungselbst mag unbedeutend gewesen sein, aber bei seinem geschwächtenKörper war das Unbedeutendste mit schweren Schmerzen verbunden.Er litt an fürchterlichen Krämpfen, an stundenlangen Erstickungs-anfällen und das zweite Auge drohte zu erblinden. Es war einschwerer Winter für den Kranken. Es gab lange Tage, wo ihniselbst der Trost der Arbeit versagt war, und sogar die Beantwortungseiner Briefe mußte er seinem treuen Sekretär Reinhardt überlassen.Ging es etwas besser, so erwachten „Arbeitslust und Heiterkeit"wieder „auf das wunderbarste und ungetrübteste". Selbst des eignenJammers zu spotten vermochte er noch. So schrieb er MichelChevalier, einem alten Genossen aus der Zeit des Saint-Simonis-mus: „Mein Eifer, für die Rechte des Fleisches einzutreten, hataufgehört, seit ich sehe, wie aufdringlich das Fleisch wird, nachdemes sich kaum notdürftig rehabilitiert sieht. Es begnügt sich nichtdamit, auf gleichem Fuß mit dem Geiste zu leben, sondern in seinerAnmaßung wagt es, den Geist anzugreifen. O Fleisch! es ist zu