Doktor Faust
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poetischsten Produktionen", in der er neben der neuartigen Dar-stellung der Legende „sehr ernsthafte Kunst- und Literaturfragen"behandelt habe. Der heutige Leser wird dieses Urteil nicht an-nehmen, er wird eher einer späteren Äußerung des Dichters zu-stimmen, daß er auf- dieses Werk keinen größeren Wert lege. Für„Faust" erhielt Heine von Lumlcy das beträchtliche Honorar vonsechstausend Franken, obgleich weder diese Pantomime noch die„Göttin Diana" jemals in London gespielt wurde. Dem Dichterlag aber viel an einer Aufführung, und als Laube 1850 Direktordes Burgtheaters wurde, nahm er die stark gelockerten Beziehungenzu dem alten Freunde wieder aus und empfahl ihm sein Faust-ballett und seinen „Rateliff". Für die kleine Tragödie hegte er eineunglückliche Jugendliebe, die Darstellung der Pantomime wünschteer wohl mehr aus finanziellen Gründen. Er hätte das Honorargerade damals gut'gebrauchen können. Um so mehr empörte esihn, als 1854 in Berlin ein Ballett „Satanella" von Taglioni ge-spielt wurde, das nach Heines Annahme ein Plagiat seines „Faust"war, den er auch der dortigen Oper eingereicht hatte. DerGeneralintendant, sein ehemaliger Freund Meyerbeer, soll angeblichseine Autorenrechte anerkannt haben, aber trotzdem erhielt derDichter keinen Pfennig Honorar. In Wirklichkeit scheint sich dieÄhnlichkeit darauf zu beschränken, daß in beiden Stücken ein weib-licher Teufel auftrat. Aber wie dem auch sei, Heines Pantomimeist in Berlin und Wien so wenig gegeben worden wie in LondonAuch für den „Rateliff" hatte Laube keine Verwendung, obgleichder kranke Verfasser sich sogar zu Abänderungen bereit erklärte.
Mit den „Vermischten Schriften" hören die VeröffentlichungenHeines auf. Er hat zwar in den fünfzehn Monaten, die ihm nochauf Erden vergönnt waren, noch manches Gedicht verfaßt undunermüdlich an seinen „Memoiren" geschrieben, aber nichts mehrherausgegeben. Erst 1884 erschien ein Teil dieser Aufzeichnungenaus dem Nachlaß, ein dürftiges Fragment, das die DüsseldorferZeit behandelt und alle Spuren der Ermüdung und der Krankheittrügt. Nach Heines eignen Angaben, die durch die Wahrnehmung