HgZ XXI Letztes Schaffen
die übertriebene Wichtigkeit, die hier wie in allen HeineschenSchriften, „den Juden und Judengenossen" beigelegt werde. DieseKritik mag nicht unrichtig sein, sie ist aber unsagbar äußerlich.Wenn man das Wesen eines Menschen begreifen will, kommt esdarauf an, was für diesen, nicht was für den Kritiker wichtig ist.Heine erkannte, daß er infolge seiner Doppelstellung als deutscherDichter jüdischer Abstammung nicht nur im deutschen Geistesleben,sondern auch in der Geschichte des Judentums eine bedeutendeRolle spielte. Sein Auftreten im Bunde mit dem Börnes, Meher-beers, Mendelssohns bewies, daß die Inden die geistige Gleich-berechtigung erlangt hatten und daß ihnen die politische nicht mehrzu versagen war. Alan konnte diese Leute wohl noch bekämpfenund hassen, aber nicht mehr verachten und als Staatsbürger zweiterKlasse behandeln. Sie führten das Judentum in die europäischeKultur und in die europäische Gesellschaft ein. Das ist, von jüdischerSeite aus betrachtet, der Erfolg von Heines Wirksamkeit und esist die Tendenz von seinen „Geständnissen".
Weil das Judentum unter diesem historischen Gesichtspunkt eineneue Wichtigkeit für Heine erlangte, nahm er auch den kleinenAufsatz über „Ludwig Marcus", der schon 1844 geschrieben war,in die „Vermischten Schriften" in unmittelbarem Anschluß an die„Geständnisse" auf. Er behandelt seine Teilnahme an dem „Vereinfür Kultur und Wissenschaft des Judentums". Auch Marcus wardessen Mitglied gewesen und später gleich'Heine nach Frankreichausgewandert. Diese Schicksalsgleichheit bestimmte den Dichter, demjung Verstorbenen die „Denkrede" zu widmen, in der freilich wenigvon Marcus, desto mehr von Heine die Rede ist.
Der erste Band der „Vermischten Schriften" enthält außerdemeine folkloristische Studie, die „Götter im Exil". Heine nimmtdarin die Idee der „Elementargeister" auf und schildert das dä-monenhafte Fortleben der alten heidnischen Götter, die das Christen-tum zwar aus ihrer olympischen Höhe stürzen, aber in dem Volks-bewußtsein nicht ausrotten konnte. Auch diese Abhandlung erschienzuerst französisch in der „kovua ckss Ooux Nonckss" und wurde