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XXI. Letztes Schaffen
Die „Ollea" enthält in der Hauptsache lyrische Gedichte imStil der „Lamentationen", die „Vermischten Schriften" im wesent-lichen „Zeitgedichte", die denen von 1844 an Schärfe und Spottnichts nachgeben, oder „Historien" wie das „Sklavenschiff" und den„Philanthropen", die mit das Trostloseste sind, was Heine je ge-schrieben. Neu sind in diesen späten Gedichten höchstens die Tier-fabeln wie „Pferd und Esel" oder der „Tugendhafte Hund". Aberwenn Heine mit seinen moralischen Erzählungen aus dem Tier-reich auch in älteren Bahnen wandelt, so unterscheidet er sich dochdurch den Zweck von seinen Vorgängern. Satiriker sind sie auch,aber sie wollen durch die Satire bessern und belehren. Der Ge-danke liegt unserm Dichter fern. Er will nur zeigen, daß es inder Tierwelt genau so trostlos aussieht wie unter den Menschen,daß auch dort das stolze Pferd verhungern muß, während derblöde Esel sich satt frißt.
Heines Weltbild ist pessimistisch, aber seine Weltanschauung istnicht die des Pessimismus. Er leugnet nicht, daß es etwas Gutes undSchönes gibt, aber es kommt nur nicht in die Hände der richtigenLeute. Der dumme Zufall gewährt es den Schlechten und ent-zieht es den Edeln. Das ist die besondere Note des HeineschenPessimismus. Die Welt könnte ihm viel bieten, aber sie bietet ihmnichts, sie ist reich an Schätzen, aber sie vergeudet sie an derfalschen Stelle, und er hat nichts davon. In dem blinden Würfel-spiel des Lebens hat der Dichter eine schwarze Nummer gezogen,und diese Niete, nicht die objektive Nichtigkeit der Welt, verleidetihm das Leben.
O Grab, du bist das Paradiesfür pöbelscheue, zarte Ohren —der Tod ist gut, doch besser wär's,die Mutter hält' uns nie geboren.
Das ist das letzte Wort seiner Lyrik, das letzte Wort aller Poesie.Und was dann? Gibt es ein Jenseits nach dem Tode? Heine be-kannte sich zur Unsterblichkeit des Individuums. Er empfand einSchandern bei dem Gedanken der ewigen Vernichtung und des