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Heinrich Heine
Entstehung
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XXI, Letztes Schaffe»

tochter und des jungen Sklaven in wenige Verse und in einedramatische Situation gedrängt, hier wird langsam und allmählichgeschildert. Einzelheiten werden ausgemalt, die Verbindung zwischenden Bildern wird peinlich hergestellt. Dort genügten Andeutungen,hier wird alles ausgesprochen. Die neue Darstellungsform wirktzweifellos schwächer, aber sie ist darum doch nicht allein in dergeminderten Kraft des kranken Dichters begründet, sondern entspringteiner veränderten poetischen Vorstellung. Der Heine von früherdichtete durch das Auge, der jetzige durch das Ohr; der eine sah,der andre hört, der eine erblickte Bilder, die als Wirklichkeit gegen-wärtig vor seinen Augen standen, der andre liegt auf seinemKrankenlager und lauscht den Stimmen, die zu ihm sprechen. DerDichter erzählt sich selber Märchen und Geschichten. Die schlafloseNacht ist lang, schleppend ziehn die Stunden dahin, bis das Morgen-grauen an die Scheiben dämmert. Der Kranke hat keine Eile, erhat Zeit, sich alles genau auszumalen. Je genauer, desto besser,desto länger währt die Erzählung, denn wenn sie zu Ende ist, danntritt die Wirklichkeit wieder in ihre Rechte, dann ist erwieder ein Kranker, der im Krankenzimmertrostlos darnieder liegt so manches Jahr.

Man hat den Eindruck, daß Heine manche der Historien ab-sichtlich in die Länge gezogen hat, wie Kinder immer in Angstschweben, daß das Märchen, das sie so gern hören, ein Endenehmen könne. Es kommt ihnen mehr darauf an, daß erzähltwird, als was und wie erzählt wird. So auch dem Kranken. Erspinnt die Erzählungen aus, denn sie unterhalten und trösten ihn.In diesem Sinne setzte er vor dieHistorien" das Motto:

Wenn man an dir Verrat geübt,sei du um so treuer;und ist deine Seele zu Tode betrübt,so greife zur Leier.

Die Saiten klingen! Ein Heldenlied,voll Flammen und Gluten!

Da schmilzt der Zorn, und dein Gemütwird süß verbluten.