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XXI. Letztes Schaffeil
Wir wageil, wir werben! besteigen als Erbendes alten Darins Bett und Thron.
O süßes Verderben! o blühendes Sterben!
Berauschter Triumphtod zu Babylon!
Doch solche Gedichte bilden Ausnahmen. Sie entsprechen derStimmung des „Romanzero" nicht und zeigen höchstens denbitteren Unterschied zwischen dem Dichter von einst und von heute,zwischen dem Jünger des Genusses und dem Kranken, der nichtsmehr von der Welt zu erwarten hat als die Erlösung von seinenLeiden. Der „Romanzero" ist, ohne daß damit ein ästhetischesUrteil gefällt werden soll, ein Erzeugnis der Krankenstube, Klageuud Trost eines Verzweifelnden, Halluzination eines Fieberkranken,Traum des Opiumgenusses, der in den schaurigsten, seltsamsten undschmerzlichsten Vorstellungen schwelgt.
Die eignen Urteile des Dichters über das neue Werk lauten wieimmer sehr verschieden. Vor dem Erscheinen meinte er, daß diese„dritte Säule seines lyrischen Ruhmes vielleicht ebenfalls von gutemMarmor sein werde, aber als die gedruckten Zeilen ihm entgegenstarrten", änderte er seine Auffassung. Er bezeichnete das Buch alsein „sehr schwaches Werk" und wollte es nur unter den milderndenUmständen der Krankheit gelten lassen. Es sei „ein Mirakel", meinteer, wie in seinem Zustand „eine solche Manifestation auch nur materiellmöglich war". Er gab zu, daß im „Romanzero" nicht alles Blumewar, sondern zwischendurch das liebe Gras hervorgrünte. Er ent-schuldigte sich, daß er ihn ohne die „Daumenschrauben" Campes nichtveröffentlicht hätte. Der Verleger hatte allerdings auf den Abschlußgedrängt, aber auch bei einer nochmaligen Durchsicht würde die neueGedichtsammlung kaum etwas gewonnen haben.
Die Selbstkritik des Verfassers ist streng, aber sachlich be-gründet. Der „Romanzero" wirkt nicht als reine Form, sondernvielfach durch den Stoff, es ist nicht alles zur Poesie geworden,sondern vieles ist Erzählung geblieben. Die Erzählung aber wendetsich an die Neugier, nicht an das ästhetische Gefühl, an dieStimmung des Lesers. Den neuen Gedichten fehlt, wie Heine