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XXI, Letztes Schaffe»
aber die Ruhe des Gemütes konnte sie ihm nicht gewähren. Zuinnerer Klarheit hat sich Heine nicht durchgerungen. Glauben undWissen vermochte er nicht zu versöhnen, sondern wie einst in denbessern Tagen der Gesundheit das Wissen den Glauben totschlug,so rächte sich der Glaube in den Tagen der Not, indem er dasWissen vergewaltigte. Die Versöhnung beider durch die Liebe lagaußerhalb von Heines Jdeenbereich, er hat von der Religion nurdie eine Seite, nur die Furcht, nicht aber die Liebe Gottes erkannt.Die Furcht aber kann keinen Frieden gewähren. Freilich muß manim Auge behalten, daß Heine sich nicht in stiller Beschaulichkeit zumGlauben durchrang, sondern unter den Qualen der Matratzengruft.Ein Gott, der in diesem Zeichen geboren war, konnte wohl kaum andreZüge tragen als die eines harten, ja ungerechten Gewaltherrschers.
Die nächste Folge seiner Gesinnnngsäuderung war eine scharfeMusterung seiner Manuskripte. „Alles, was aus der früherenblasphematorischen Periode noch vorhanden war," schrieb er imJuni 1850 an Campe, „die schönsten Giftblumen" wurden denFlammen überantwortet. Er glaubte, seinem neuen Gotte diesesOpfer zu schulden, und meinte, er werde ihm alles „weit besserhonorieren" als sein Verleger. Auch die Memoiren wurden genaudurchgesehen, und wie dereinst alles vernichtet wurde, was demgeldgebenden Vetter hätte mißfallen können, so jetzt jedes Blatt,das den Zorn des Himmels erregen konnte. Vor beiden hatteHeine die gleiche Angst. Er trug auch schwere Bedenken, denAufsatz „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutsch-land" 1852 in zweiter Auflage erscheinen zu lassen, und er tat esnur unter Wahrung seines veränderten Standpunktes, indem er inder neuen Vorrede (IV, 154) erklärte, daß „alles, was in diesem Bucheauf die große Gottesfrage Bezug hat, ebenso falsch wie unbesonnen"sei. Auch iu seineu neuen Werken suchte der Dichter alles zuvermeiden, was seiner veränderten Auffassung nicht mehr entsprach.Er wollte keine llnsittlichkeiten und keine Gotteslästerungen mehr.Er, der einst lieber „ein Gassenjunge als ein Vaterlandsretter" zusein wünschte, war jetzt empört, daß die Kritik den sittlichen, ja