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Heinrich Heine
Entstehung
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XXI. Letztes Schaffen

^m 15. April 1849 schrieb der Dichter eine Erklärung für dieAll-^^gemeine Zeitung" (VII, 539), in der er eine sehr ungünstige Dar-stellung seiner Vermögensverhältnisse berichtigte, die in verschiedenendeutschen Blättern erschienen war. Vor allem verteidigte er KarlHeine gegen den Vorwurf, daß er ihm seine Pension nicht regelmäßigauszahle. Eine Verstimmung des Vetters zu vermeiden, war dereigentliche Zweck dieses Schriftstückes. Aber nicht aus diesem Grundeinteressiert es uns, sondern durch das, was der Verfasser über sichselber sagt:Ich lasse dahingestellt sein, ob man meine Krankheitbei ihrem rechten Namen genannt hat, ob sie eine Familienkrank-heit (eine Krankheit, die man der Familie verdankt) oder eine jenerPrivatkrankheiten ist, woran der Deutsche, der im Auslande priva-tisiert, zu leiden pflegt, ob sie ein französisches ramollisssinsnl cloig, inoölio spinioro oder eine deutsche Rückgratschwindsucht istso viel weiß ich, daß sie eine sehr garstige Krankheit ist, die michTag und Nacht foltert und nicht bloß mein Nervensystem, sondern auchdas Gedankeusystem bedenklich zerrüttet hat. In manchen Momenten, be-sonders wenn die Krämpfe in der Wirbelsäule allzu qualvoll rumoren,durchzuckt mich der Zweifel, ob der Mensch wirklich ein zweibeinichterGott ist, wie mir der selige Professor Hegel vor fünfundzwanzig Jahrenin Berlin versichert hatte. Im Wonnemond des vorigen Jahres mußte ichmich zu Bette legen, und ich bin seitdem nicht wieder aufgestanden.Unterdessen, ich will es freimütig gestehen, ist eine große Umwand-lung mit mir vorgegangen: ich bin kein göttlicher Bipede mehr;ich bin nicht mehr derfreieste Deutsche nach Goethe", wie michRüge in gesündern Tagen genannt hat; ich bin nicht mehr dergroße Heide Nr. II, den man mit dem weinlaubumkränzten Dio-nysus verglich, während man meinem Kollegen Nr. I den Titeleines großherzoglich weimarschen Jupiters erteilte; ich bin keinlebensfreudiger, etwas wohlbeleibter Hellene mehr, der auf trüb-sinnige Nazarener herablächelte ich bin jetzt nur ein armer tod-

Wolff, Heine 37