Druckschrift 
Heinrich Heine
Entstehung
Seite
576
Einzelbild herunterladen
 

XX. Der Zusammenbruch

jüdischer Literaten bewies eine starke Neigung, die letzten Mysteriendes Heineschen Haushaltes zu erschnüffeln. Noch in der Matratzen-gruft konnte der Sterbende das Lied von derschmählichen Ge-sellschaft der Verbannung" wiederholen, das der größte Verbanntevor einem halben Jahrtausend gesungen hatte. Es kam so weit,daß der Dichter den Umgang mit den in Paris ansässigen Deut-schen so gut wie völlig abbrach. Die meisten hatte Mathilde schonvorherim wahren Sinne des Wortes hinausgeschmissen".

Seine Vereinsamung wurde dadurch immer größer. In denersten Jahren hatte er sehr viele Besucher, aber je länger seineKrankheit dauerte, desto stiller und einsamer wurde es in der Rned'Amsterdam. Die berühmten französischen Freunde fanden nurselten den steilen Weg in das vierte Stockwerk hinauf, wo dergelähmte deutsche Dichter lag. Sie antworteten mit den schönstenKomplimenten, wenn er ihnen eines seiner Werke zuschickte,sie sprachen ihm ihr Entzücken aus, wenn ein Aufsatz von ihm inderUsvus äss voux Nonäos" erschien, aber zu persönlichenBesuchen reichte ihre kostbare Zeit nicht. Thoophile Gautier undAlexander Dumas kamen gelegentlich, Berlioz und Bsranger einoder das andere Mal in den langen Jahren; nur die wenigerbedeutenden Gsrard de Nerval und Saint-Ren« Tallandier harrtentreu auf dem verlorenen Posten aus. Beide haben viel für dieÜbersetzung und Einführung der Heineschen Lyrik in Frankreichgetan. Aber dieser Verkehr beschränkte sich in der Hauptsache aufBriefe, da die beiden Literaten vielfach nicht ihren Wohnsitz inParis hatten. Es wurde einsam in dem Krankenzimmer des Dichters.