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Heinrich Heine
Entstehung
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578
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578 XXI. Letztes Schaffen

kranker Jude, ein abgezehrtes Bild des Jammers, ein unglücklicherMensch!"

Es ist die erste Andeutung, die Heine dem Publikum iiber einenvölligen Gesinnungsumschwung machte. Sie besagte nur, daß er sich indem Widerstreite der beiden großen Weltanschauungen, der entsagendender Nazarener und der genießenden der Hellenen, zur ersteren bekehrt,uicht aber daß er den Weg zum Gottesglauben zurückgefunden habe.Immerhin bot diese Erklärung den weitgehendsten Gerüchten eine Unter-lage. Bald hieß es, Heine sei fromm geworden, er sei zum Katholi-zismus übergetreten oder er sei zum Judentum, der Religion seinerVäter, zurückgekehrt. Es war eine Sensation ersten Ranges. Der Mann,der sich selber stolz als den Feind und Verächter jeder positiven Re-ligion bezeichnet, der den Atheismus als das Wesen der deutschenPhilosophie gerühmt hatte, er sollte auf der Armensünderbank derKirche sitzen und im härenen Büßergewand das Glaubensbekenntnisaufsagen! Der Triumph der Feinde, das Entsetzen der freireligiösenGenossen war unbeschreiblich. Man konnte den Fall nicht als dieübliche Bekehrung in sxtrczinis abtun, als die späte Umkehr einesSterbenden, dem die Angst vor dem unbekannten Lande,aus desBezirk kein Wandrer wiederkehrt", die Klarheit des Denkens min-derte. Heine selbst äußerte in einem solchen Fall, als der Philo-soph Schelling vor seinem Ende die Irrtümer seines Lebens ab-schwor:Diese Bekehrungsgeschichten gehören höchstens zur Patho-logie. .. Sie beweisen nur, daß es nicht möglich war, diese Frei-denker zu bekehren, solange sie mit gesundem Sinn unter Gottesfreiem Himmel umherwandelten und ihrer Vernunft völlig mächtigwaren." Der Dichter selber lag freilich auch auf dem Kranken-,vermutlich sogar auf seinem Totenbette, aber er schrieb Verse undverfaßte Bücher. Sein Geist war ungebrochen, seine Fähigkeitennicht gemindert. Seine Bekehrung war keine pathologische, sondernpsychologisch; und er selbst legte den größten Wert darauf, daßsie nicht als ein Produkt der Krankheit angesehen wurde.In dieser Auffassung schrieb er an Campe.Die religiöse Um-wälzung, die in mir sich ereignete, ist eine bloß geistige, mehr ein