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XX. Der Zusammenbruch
trotz seiner guten Kenntnis des Englischen merkwürdigerweise inder deutschen Übersetzung las. Der Engländer schrieb den realisti-schen Roman, der Heine vor zwanzig Jahren vorgeschwebt hatte.
Mathilde hatte an dem geistigen Leben ihres Mannes jetzt sowenig Anteil als früher. In der ersten Zeit, als sein Leiden dieWendung zum Schlimmen nahm, ging sie mit Ernst an ihrePflicht und suchte ihn zu pflegen. Mit einem gewissen Recht konnteer damals sagen, daß zwei Trösterinnen an seinem Bett säßen,die deutsche Muse und seine französische Hausfrau. Jedoch dieunruhige Mathilde hatte kein Talent zur Wärterin. Der zweitePlatz am Lager des Kranken blieb bald leer. Die Frau nahm ihrnichtiges Leben mit ihren französischen Gevatterinnen wieder auf.Heine liebte sie noch immer leidenschaftlich, aber wenn er sie be-ständig ermahnte, auszugehen und Theater und Konzerte zu be-suchen, so geschah das sicher nicht nur aus Selbstlosigkeit, sondern weilihre Gegenwart und ihr „heftiges Temperament" auf seine Nervennicht immer günstig wirkten. Mathilde mit ihrem faden Geschwätzund ihrem Papagei störte die Ruhe des Krankenzimmers, mochteauch der Anblick der geputzten hübschen Frau dem Dichter zeitweiligwohltun und ihm von einem Leben erzählen, das weit, weithinter ihm lag. Es ist gewiß ein dürftiges Lob, wenn er berichtet,daß Mathilde sich gut aufführe oder daß die „Verbringen«",wie er sie nannte, weniger Geld als sonst zu Neujahr ausgebe,ein schwerer Vorwurf dagegen, wenn er Campe schreibt: „Siehaben keinen Begriff davon, wie viel ich durch Mathildens Un-fähigkeit häuslicher Einrichtung und Geschäftsführung mir Ver-drießlichkeiten und ungeheure Geldkosten zugezogen." Und derTadel steht in einem Briefe an den Verleger, das Lob in eineman die Mutter, der er stets nur Gutes berichtet. Mathilde hieltwohl noch die Eifersucht des Kranken wach, aber seit sie ihm ihrenLeib nicht mehr bieten konnte, hatte sie ihm nichts mehr zu bieten.In Gegenwart von Besuch freilich umgab sie ihren Henri miteiner lächelnden Geschäftigkeit, sie verstand es, sich den Ruf einer„806ur äo odurito" zu verschaffen au lit äun inourunt, un