Druckschrift 
Heinrich Heine
Entstehung
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558
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558 XX- Der Zusammenbruch

sage ich ein letztes Lebewohl. Leb wohl auch du, deutsche Heimat,Land der Rätsel und der Schmerzen; werde hell und glücklich!Lebt wohl, ihr geistreichen guten Franzosen, die ich so sehr geliebthabe! Ich danke euch für eure heitere Gastfreundschaft." Es solltenoch ein Jahrzehnt dauern, ehe dem Kranken die Stunde der Er-lösung schlug.

Die falsche Todesnachricht machte offenbar Eindruck auf KarlHeine. Nicht daß er Rührung oder gar Reue empfand, im Gegen-teil, erst kürzlich hatte ein Mitglied seiner Familie den frommenWunsch geäußert, sie wollten den Dichter quälen, bis er krepiere.Aber der Millionär sah den Fehler in seiner Rechnung. Wie leichtkonnte der Tod seinen Plan durchkreuzen und gerade das herbei-führen, was er mit allen Mitteln verhindern wollte, daß dieMemoiren in fremde Hände fielen. So lenkte er ein und schriebdem gequälten Vetter einen überaus herzlichen Brief, in dem erdessen Leiden bedauerte, die Auszahlung der Pension zusagte undbei seinem baldigen Besuch in Paris eine endgültige Schlichtungdes Streites und liebevolle Versöhnung verhieß. Heine ging bereit-willig darauf ein, der kranke Mann konnte kaum anderZ handeln,aber auch als Gesunder hätte er nicht anders gehandelt. Er warnicht der Charakter, der dem Millionär sein Geld verächtlich vor dieFüße warf. Es war selbstverständlich, daß man sich in der Familievertrug, nachdem man sich gezankt hatte. Weder der Streit nochdie Versöhnung waren bei diesen Leuten etwas Außergewöhnliches.Am 25. Februar 1847 fand die Aussprache der beiden Vetternstatt, des gesunden mit den Millionen und des kranken, der frohwar, einige tausend Franken zu erhalten. Karl verpflichtete sich,dem Dichter die Pension von 4800 Franken und seiner Witwe dieHälfte des Betrags bis zu ihrem Lebensende zu zahlen, bedangsich aber dafür aus, daß weder bei Heines Lebzeiten noch ausdessen Nachlaß ein Schriftstück veröffentlicht würde, das eineKränkung der Heineschen oder der Fouldschen Familie enthielt.Er begnügte sich mit dem, was ihm der Dichter schon vor zweiJahren angeboten hatte. Mehr war zurzeit nicht zu erreichen,