Druckschrift 
Heinrich Heine
Entstehung
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557
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Testament 557

sei, jedoch rechnete er damit, daß er sich „noch ein, höchstens zweiJahre in einer trübseligen Agonie hinfristen" werde. Trost gewährteihm das „holdselige Bewußtsein, ein schönes Leben geführt zu haben".Der Tod, so schrieb er an Campe, „ist das wenigst Furchtbare,das Sterben ist etwas Schauderhaftes, nicht der Tod, wenn esüberhaupt einen Tod gibt. Der Tod ist vielleicht der letzte Aber-glaube." Den Freund Laube aber, der ihm seinen Besuch inAussicht stellte, mahnte er sich zu beeilen, wenn er mit ihm noch„über Unsterblichkeit, Literatenvereine, Vaterland und Campe undähnliche höchste Fragen der Menschheit" reden wolle.

In Paris machte er sein Testament am 27. September 1846.Es beginnt mit den einleitenden Worten: „Obgleich ich von derNatur und vom Glücke mehr als alle andere Menschen be-günstigt ward; obgleich es mir zur Ausbeutung meiner Geistes-gaben weder an Verstand noch an Gelegenheit gebrach; obgleichich, aufs engste befreundet mit den Reichsten und Mächtigsten dieserErde, nur zuzugreifen brauchte, um Gold und Ämter zu erlangen:so sterbe ich dennoch ohne Vermögen und Würden. Mein Herzhat es so gewollt, denn ich liebte immer die Wahrheit und ver-abscheute die Lüge. Meine Hinterlassenschaft ist daher sehr gering-fügig, und ich sehe mit Betrübnis, daß ich meine arme Ehefrau,die ich, weil ich sie unsäglich liebte, auch unsäglich verwöhnte, ver-hältnismäßig mit ihren Bedürfnissen in einem vielleicht an Dürftig-keit grenzenden Zustand zurücklasse." Mathilde wird als Universal-erbin eingesetzt, der Arzt Ur. Sichel und der Historiker Mignetzur Testamentsvollstreckung berufen. Dann bittet der Dichter KarlHeine, seiner Witwe die Pension in Erinnerung an die einstigeFreundschaft weiterzuzahlen. Detmold und Laube sollen den geistigenNachlaß übernehmen und die Herausgabe seiner Werke besorgen,für die der Dichter die Disposition in neunzehn Bänden einigeWochen später an Campe sandte. Am Schluß des Schriftstückswendet er sich an seine Angehörigen. „Meiner edlen und hochherzigenMutter, die so viel für mich getan, so wie auch meinen teuern Ge-schwistern, mit denen ich im ungetrübtesten Einverständnisse gelebt,