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XIX. Deutschland
jedes weitere Wort zu viel. Wenn er Deutschland erlösen wollte
Von jenem Kamaschenrittertum,das ekelhaft ein Gemisch ist,von gotischem Wahn und modernem Lug,das weder Fleisch noch Fisch ist
so war es gewiß eine verfehlte Taktik, diesen Kampf mit Schmutzund Stinkbomben zu führen. Heine schrieb im Geiste der PariserClique, die sich um den dortigen „Vorwärts" scharte, er wollteihnen zeigen, daß er ein Wolf war und mit den Wölfen heulteund er wollte den Deutschen zeigen, daß er einen scharfen Stachelzum Stechen besaß. Aber bei allem Witz im einzelnen und beialler Bissigkeit, mit denen die verschiedenen Erscheinungen vor-genommen werden, ist das „Wintermärchen" als Satire verfehlt.Es richtet sich gegen ein Deutschland, das, wenn es je bestandenhatte, längst überwunden war, gegen ein Phantasiegebilde, das nurin den Köpfen einiger Pariser Flüchtlinge spukte. Das Gedichtspricht nicht, wie Heine versicherte, „die ganze Gärung unsererdeutschen Gegenwart" aus, sondern es verhöhnt nur „in derkecksten, persönlichsten Weise" alle diejenigen, die an eine ZukunftDeutschlands glaubten. Eine Satire wird groß durch die Persön-lichkeit des Satirikers, durch die Überlegenheit des Subjekts überdas Objekt, durch das subjektive bessere Weltbild, das er demschlechteren, objektiven entgegenstellen kann. Dieser Gegenwert fehltim „Wintermärchen", und er allein würde die Satire auch zueiner großen Dichtung erheben. Die Negation wirkt nur ästhetisch,wenn sie im Dienste der Bejahung steht. Als der Tyrann vonSyrakus den Staat der Athener kennen lernen wollte, verwiesihn Plato auf die Komödien des Aristophanes. Niemand, der sichein Bild von dem Deutschland Friedrich Wilhelms IV. machen will,hat damals oder wird heute zu dem „Wintermärchen" greifen.
Die Dichtung sollte nach der Absicht des Verfassers sofort inBuchform erscheinen. Er wollte den großen Eindruck, die „Furore",die er voraussah, nicht durch die laugsame Herausgabe in einerZeitschrift abschwächen. Er nahm aber an, daß das Buch niemals