Das Wintermärchen
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die Zensur passieren würde, obgleich er sich nach seiner eignenAngabe sehr „gezügelt" und mit Rücksicht auf Campe die schlimmstenStellen ausgemerzt hatte. So blieb ihm nur die Wahl, das dünneBändchen durch andere Zutaten auf einundzwanzig Bogen zu bringenund dadurch zensurfrei zu machen, oder es im Ausland, sei es inParis oder in der Schweiz, drucken zu lassen. Campe fand abereinen sehr milden Zensor, der unter Vermittlung des StadtsyndikusSieveking nach einigen nicht sehr eingreifenden Änderungen dieDruckerlaubnis erteilte. So konnte das „Wintermärchen" 1844sowohl in einem Band mit den „Neuen Gedichten" wie alsSonderdruck erscheinen. Es traf sich günstig, daß Heine den Druckpersönlich überwachen konnte.
Der Familie hatte er eine Wiederholung seines HamburgerBesuches zugesagt. Im April 1844 schwankte er noch, ob er nachMadrid oder London reisen solle, aber, schrieb er an Gustav Kolb,„am liebsten ging' ich wieder auf einige Monate nach Deutschland".Der Plan wurde im Juli ausgeführt, und zwar diesmal inBegleitung Mathildens. Ihre deutschen Sprachstudien hatten keinenErfolg gehabt, und so fühlte sich die lebhafte Französin, die zumersten Male im Ausland weilte, sehr vereinsamt. Auch die Ham-burger Verwandten kamen ihr mehr mit Neugier als mit Liebeentgegen, und bei den heillosen Skandalgeschichten, die über HeinesEhe verbreitet waren, ist das begreiflich. Sie machte keinen be-sonderen Eindruck, und ein Verhältnis zwischen diesen Menschen,die zwei verschiedenen Welten angehörten, wollte sich nicht einstellen.Alle Beteiligten waren froh, als sich nach wenigen Wochen einschicklicher Vorwand bot, die Pariserin nach Hause zu schicken. Nurder Dichter litt schwer unter der Trennung. Ihm bangte, die un-gewandte Frau allein reisen zu lassen, und ihm bangte noch mehr,sein „armes Lamm in der Hauptstadt der Werwölse" ohne Schutzzu wissen. Er schrieb seiner „Nonotte" beinahe jeden zweiten Tagund war glücklich, wenn er von der Schreibfaulen in ihrer schlechtenOrthographie und ungelenkem Stil dann und wann ein kurzesLebenszeichen erhielt. So schreibt er ihr am 27. August unter