Druckschrift 
Heinrich Heine
Entstehung
Seite
535
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Das Wintermärchen 535

wenig anfangen. Dort war man bemüht, sich erst die Stätte zubereiten, auf der man vielleicht später das Leben genießen konnte.Man wollte einen Staat schaffen und philosophierte weder überden Himmel noch über den Himmel auf Erden, fondern man wollteendlich von aller Philosophie loskommen. Man wollte praktischwerden. Selbst wenn dasWintermärchen" ein Thyrsossang desSinnenrausches, einHochzeitskarmen" zur Vermählung derJung-frau Europa" mit dem Genius der Freiheit geworden wäre, inDeutschland hätte man keine Verwendung dafür gehabt. Aber derDichter hat seine Absicht auch nicht erreicht, sein Lied ist keinErzeugnis des orgastischen Taumels. Heine bemerkte das selbst,als es gedruckt vorlag. In einem Brief an Campe äußerte er,daß die Hauptstücke fehlten.Sie werden sehen, wie es dadurchvollendet sein wird und welcher Nachjubel entsteht." Zu dieserUmarbeitung kam es leider nicht. In der vorliegenden Fassungerhebt sich das Epos nur selten über das Niveau des Zeitgedichtes.Nur einmal schwingt sich der Dichter zu einer stolzen poetischenHöhe empor, als er mit dem Henker an der Seite durch die ödennächtigen Straßen des alten Köln wandelt und in dem gotischenDome an den tausendjährigen Gebilden des Aberglaubens, an denheiligen drei Königen, das Strafgericht des befreiten Geistes voll-zieht. Sonst behandelt das Gedicht Heines Reise von der belgischenGrenze durch das Rheinland, Westfalen und Hannover nach Hamburgund zerfällt in lauter einzelne Zeitgedichte. Bald spottet der Dichterüber das preußische Militär, über den Dombauverein, der diegroßeZwingburg" des Geistes, den Kölner Dom, weiterbaut, bald überdas patriotische GesingeNiklasBeckers, bald über denhochtoryistischenEdelmann", den König von Hannover, der es vor Langweile in seinerResidenz nicht aushalten kann, bald über die deutsche Kaiseridee undden Traum von Rotbart im Kysfhäuser. Bei der Durchfahrt des Teuto-burger Waldes stellt er sich sehr witzig die Folgen vor, die der Ver-lust der Hermannsschlacht für Deutschland gehabt hätte:

In. unsrem Vaterland herrschten jetztnnr römische Sprache und Sitten,