Druckschrift 
Heinrich Heine
Entstehung
Seite
531
Einzelbild herunterladen
 

Besuch in Hamburg 531

Autor empfing, so zäh war er in der Verteidigung seiner Kasse.Erst Ende des Monats kam der Vertrag zustande, durch den derDichter das unbeschränkte Recht zur Ausbeutung seiner bis dahinerschienenen Werke an Campe für eine Jahresrente von 2400 Frankenübertrug, die nach Ablauf des bisherigen Vertrages, also vom Jahre1848 laufen und bei dem Tode des Empfängers auf dessen Witweübergehen sollte. Selbst für die damalige Zeit war der Preis,wenn man Heines Popularität in Betracht zieht, lächerlich niedrig.Campe nutzte die Unerfahrenheit seines Schriftstellers und dessenSorge, für den Fall seines baldigen Todes seiner Witwe eine festeRente zu hinterlassen, in rücksichtslosester Weise aus. Immerhin,Heine war zufrieden; stolz schrieb er Mathilden', daß er sich „invier Jahren 200 Franken monatlich mehr verschafft habe und daßauch der Anfang gemacht sei, ihre Einnahmen nach seinem Todezu fixieren". „Es ist die Pflicht jedes Mannes," fügte er hinzu,„für das Schicksal seiner Frau in seinem Todesfalle zu sorgen . . .Das ist kein Verdienst, sondern eine Pflicht."

Der Plan eines Besuches bei Varnhagen kam nicht zur Ausführung.Der Dichter wollte sich nicht so weit demütigen, die Erlaubnis derpreußischen Regierung einzuholen, nicht einmal durch den befreun-deten Alexander v. Humboldt, und ohne diese Erlaubnis erschien ihmeine Reise nach Berlin zu gewagt. Außerdem drängte es ihn nachHause, zu seiner Frau. So sah er von seinen alten deutschen Freundenkeinen außer Detmold auf der Rückreise in Hannover. Er wähltediesmal den Landweg, und er kam auch unbehelligt durch dasPreußische Gebiet. Im ganzen war der Aufenthalt in Hamburgrecht erfreulich gewesen. Gesundheitlich war es ihm dort „vor-trefflich" ergangen, die deutsche Luft regte seine Phantasie an, und„von künftigen Aufenthalten in Deutschland" versprach er sich „vielpoetische Früchte". Seinen Angehörigen hatte er eine baldige Wieder-holung des Besuches zugesagt, in Begleitung von Mathilden, dadie Hamburger darauf brannten, die „Pariser Tante" kennenzu lernen. Schon von Hamburg ans empfahl er ihr, sich mitdem Deutschen vertraut zu machen, ein vergebliches Bemühen, da

34*