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Heinrich Heine
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529
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Zeitgedichte

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und daß eines sogar noch heute in den Ausgaben fehlt; die Ge-samtheit der Gedichte hat für den, der sich den Seelenzustand desVerfassers vergegenwärtigt, die entgegengesetzte Bedeutung. Ausihnen spricht kein Mann, der zum Umsturz, ja überhaupt zu Tatenaufreizt, sondern ein Künstler, dem die Ruhe das Höchste ist unddem alles praktische Handeln zwecklos erscheint.

Die „Zeitgedichte" erregten großes Aufsehen. Allem, was Heinein Versen schrieb, blieb die Gnnst des deutschen Publikums immertreu. Die „Neuen Gedichte" wurden sehr stark begehrt und dieverschiedenen Auflagen des „Buches der Lieder", die sich jetzt inimmer kürzeren Abständen folgten, bewiesen, daß er als Dichtermehr denn je geschätzt wurde.

Heine lebte jetzt im dreizehnten Jahre in der Fremde, ohnedaß er einen seiner nächsten Angehörigen gesehen hatte. Bei seinemstarken Familiengefühl war das ein großes Opfer. Es drängteihn, die alte zweiundsiebzigjährige Mutter, deren Tage nach mensch-licher Voraussicht bald abgeschlossen waren, wiederzusehen.

Die Mutter liegt mir stets im Sinn.

Zwölf lange Jahre flössen hin,zwölf lange Jahre sind verflossen,seit ich sie nicht ans Herz geschlossen.

Nach Deutschland lechzt' ich nicht so sehr,wenn nicht die Mutter dorten war';das Vaterland wird nie verderben,jedoch die alte Frau kann sterben.

Aber er hatte es immer abgelehnt, nach Deutschland zu kommen,und noch im Frühjahr 1843 schrieb er an seinen Bruder Max,daß er „nie und nimmer" in die Heimat zurückkehren werde. Ver-mutlich hätte er seine Sehnsucht nach Mutter und Schwester nochweiter unterdrückt, wenn nicht seine damals sehr ernste Krankheitihn gemahnt hätte, an seine und seiner Frau Zukunft zu denken.Dazu war eine Aussprache mit Campe notwendig. So entschloßer sich im Herbst 1843 zur Reise nach Hamburg. Da der preußischeGesandte ihm das Visum zu der Fahrt über Aachen—Köln nicht

Wolff, Heine 34