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XVI!I, Lutetia
Mit dem Volke soll der Säuger gehen,also les' ich meiueu Schiller heut,
verkündete Freiligrath später. In Deutschland waren Dingelstedtmit den „Liedern eines kosmopolitischen Nachtwächters", Herweghmit den „Gedichten eines Lebendigen" und Hoffmann von Fallers-leben mit seinen „Unpolitischen Liedern" die ersten, die der poli-tischen „Tendenzpoesie" huldigten. Sie fanden eifrige Schiller inFreiligrath, Beck, Hartmann, Grün, Prntz u. a. mehr. Der deutscheParnaß hallte von Freiheitssängen wieder, die alle in mehr oderweniger gelungenen Reimen den König von Preußen darauf hin-wiesen, daß es endlich Zeit sei, die versprochene Verfassung zu ge-währen und die 36 Bundesstaaten unter einen Hut zu bringen.
Diese Tendenz entsprach eigentlich Heines Auffassung. Hatte ernicht schon vor zwei Jahrzehnten Jmmermann zur Kampfgenossen-schaft aufgefordert mit dem Bemerken, daß die Poesie doch nureine „schöne Nebensache" sei? Hatte er nicht die Anhänger des„Jungen Deutschland" als Apostel gefeiert, weil sie die Einheitzwischen Kunst und Leben herstellten, indem sie die Dichtung inden Dienst der Freiheit stellten? Hatte er nicht selbst in den „Ver-schiedenen", die ja zum großen Teil in den Bänden des Salonsvorlagen, den Versuch gemacht, der Lyrik einen neuen Inhalt zugeben? War es da zu verwundern, daß andre Dichter das gleicheBedürfnis spürten? In der Tendenzpoesie ging die Saat auf, dieHeine gesäet hatte, aber wie er den Atheismus sehr interessant fand,solange er ihm und seineu Freunden eine geistreiche Unterhaltungbot, aber sehr häßlich, als die Masse sich dazu bekannte; so ähnlicherging es ihm mit der Tendenzpoesie. Er fand sie reizvoll alsVorrecht eines auserwählten Geistes, aber sehr geschmacklos alsGemeingut der Demokratie. Empört zog sich der Aristokrat derKunst zurück. „Sowie die Demokratie", äußerte er, „wirklich zurHerrschaft gelangt, hat alle Poesie ein Ende. Der Übergang zudiesem Ende ist die Tendenzpoesie. Deshalb — nicht bloß, weilsie ihrer Tendenz dient — wird die Tendenzpoesie von der Demo-kratie begünstigt. Sie wissen, hinter oder vielmehr mit Hoffmann