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Heinrich Heine
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497
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Urteil über Frankreich

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sagt den Freunden Angenehmes, den Feinden böse Worte, er lobt undtadelt, er spottet und karikiert, er ist geistreich und witzig, kurz er be-herrscht alle Noten des Journalismus, aber sein Herz ist nicht dabei.Der Dichter steht den Ereignissen sehr objektiv gegenüber.Er denkt nicht mehr daran, die Welt aus den Angeln zu heben,sondern in der „Transaktion", in der „Vermittlung zwischen Prin-zipien und Parteien" erblickt er jetzt die höchste Aufgabe des Staats-mannes. Der reife Mann will von stürmischen Entscheidungennichts mehr wissen. Er hat seine einstigen Ideale gründlich ver-loren. Freilich liebt er Paris noch, aber es ist ihm nicht mehrdie Stadt der Freiheit, sondern das „geliebte Pflaster der Boule-vards". Er liebt es mit der Liebe des alten Boulevardiers, dersich dort in seinem Lebenselement fühlt, der gewohnt ist, täglich umdieselbe Stunde über die Hauptstraße zu flanieren, und der etwasvermißt, wenn der Polizist nicht an der gewohnten Ecke steht, dielächelnde Grisette nicht aus dem Putzladen herausschaut und die„holdselige zivilisierte" Stadtlnft ihn nicht umweht. Über die Fran-zosen selbst urteilt Heine jetzt sehr nüchtern. Natürlich macht erihnen einige Komplimente, aber er kennt sie jetzt besser als vorzehn Jahren, er weiß, daß diese seine einstigen Helden der Freiheitjedem nachlaufen, der ihrer nationalen Eitelkeit zu schmeicheln weißund sich von ihm in jede beliebige „Uniform" stecken lassen, „in dieRittertracht des Ruhms oder in die Livree der Knechtschaft". Erkennt jetzt ihren Leichtsinn, ihren Eigennutz, ihre nur auf das Materiellegerichtete Denkart, er durchschaut die tiefe Korruption, die in der all-gemeinen Sucht nach einem Ämtchen, in dem Bestreben, auf Kosten derSteuerzahler ein bequemes Leben zu führen, den besten Nährbodenfindet, er durchschaut das Scheinbild von Preßfreiheit, hinter demsich eine Geistesknebelnng schlimmer als die der deutschen Zensurverbirgt. Er wirft die Frage auf: „Ist das Frankreich, die Heimatder Aufklärung, das Land, wo Voltaire gelacht und Rousseaugeweint hat? Sind das die Franzosen, die einst der Göttin derVernunft in Notre-Dame huldigten?" Sie erscheinen ihm jetzt „allerrepublikanischen Eigenschaften" bar. „Ihnen fehlt die Einfalt, die

Wolff, Heine HZ