XVIII. L tt l e r i a
as Jahr 1840 bildet einen entscheidenden Wendepunkt in deinlangen, schweren Ringen des deutschen Volkes nach einem ein-heitlichen Verfassungsstaat. Es ist das Jahr, in dem FriedrichWilhelm III. starb und Friedrich Wilhelm IV. seine Nachfolgeübernahm. Mit ihm bricht eine neue Zeit an, die deutsche Fragekommt in Fluß. Zwar war weder der eine noch der andre, wederder alte noch der neue preußische König ein starker Charakter,der die Entwicklung nach seinem Willen zwang und. der Zeit dasSiegel seines Geistes aufprägte, aber die Tatsache des Thronwechselsals solche genügte, um der Bewegung eine neue Richtung und einbeschleunigtes Tempo zu geben. Unter dem alten Herrn hatte manvieles hingenommen, weil er alt war, weil man damit rechnete, daßseine Tage gezählt seien, und man seine Ruhe nicht mehr störenwollte. Friedrich Wilhelm III. hatte mit seinem Volke die schwerstenZeiten des Unglücks durchlebt, er hatte sich wohl schwach, aberstets würdig gezeigt, sein musterhaftes Privatleben lag offen vorden Augen seiner Untertanen. Durch diesen Nimbus sowie durchdie ehrliche Schlichtheit seines Wesens hatte er das patriarchalischeVerhältnis zwischen sich und seinem Volke bewahrt. Zwischen beidenTeilen bestand eine Art stillschweigender Vertrag, daß bei seinenLebzeiten nichts geändert werden solle. In Preußen ließ man dieSüddeutschen deklamieren, die Sachsen und Braunschweiger gelegent-lich randalieren, in dem größten reindeutschen Bundesstaat blieballes ruhig, nicht weil man weniger an Deutschlands Zukunft dachte,sondern weil man von dem alten Könige nichts Unmögliches ver-langte, weil das Gefühl bestand, daß die Lösung der brennendstenZeitfrage eine jüngere Kraft erforderte. Mit dem Thronwechselwurde das anders. Friedrich Wilhelm IV. wurde nicht von derTradition gedeckt, die seinen Vater begleitete. Er selbst hatte sichin den langen Jahren seiner mündigen Thronanwartschaft als Mannder modernen Zeit gezeigt, mit lebhaftem Geist interessierte er sich