Druckschrift 
Heinrich Heine
Entstehung
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483
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Romanzen 483

derNeuen Gedichte" mit der ÜberschriftRomanzen". EineEinheit kann nicht vorhanden sein, denn das älteste Gedicht gehtbis in Heines Studentenzeit zurück, während die spätesten erst1842 und 44 entstanden oder erschienen sind. Die BezeichnungRomanzen" paßt auch nur in bedingter Weise. Die besten Stückeder Sammlung wieRitter Olaf" (10), dieNixen" (11),FrauMette" (21) undBegegnung" (22) sind wirkliche Romanzen, imübrigen aber hat Heine in diese Abteilung hineingeworfen, waspaßte oder nicht paßte, politische Stimmungsbilder wieAnno 1829"undAnno 1839", reine Lyrik wie das tief empfundeneLaß ab"(20) oder Gedichte wieWechsel" (17) undEin Weib" (1), dieebensogut zu denVerschiedenen" gestellt werden konnten. Dieeigentlichen Romanzen, die ihre Stoffe meist nordischen Sagen undMärchen entnehmen, weisen alle Vorzüge von Heines bester Kunstauf. Hier kam der Dichter nicht in Zwiespalt mit sich selber,sondern konnte die düstre romantische Stimmung voll ausklingenlassen. Aber in der Romantik bleibt er Realist. Wie in demTann-Hänserlied", so spielen sich die Ereignisse in knappen Szenen undWechselreden ab. Herr Olaf tritt als Gemahl der Königstochteraus der Kirche. Er muß sterben, er bittet um Aufschub bis Mitter-nacht. Er wird gewährt, aberHalt bereit dein gutes Richtbeil".Das ist das erste Gedicht, das zweite schildert die Hochzeitsfeierin vier Versen mit dem grausigen Refrain:Der Henker steht vorder Türe". Das dritte erwähnt erst die Schuld des Ritters. Mitter-nacht ist da, der Henker steht bereit, Herr Olaf spricht einen letztenSegen über die schöne Welt und die schöne Frau, für die er seinLeben verliert. Nur das Notwendigste wird ausgesprochen, allesübrige bleibt der Phantasie überlassen, und gerade dadurch, daßihr die größte Freiheit gegeben wird, reproduziert sie aus denspärlichen Worten des Dichters alles, was er selber hineingelegthat. Die Aufgabe des Künstlers besteht nicht darin, durch kleinliche,der Wirklichkeit abgelauschte Angaben der Phantasie des LesersSchranken zu ziehen, sondern sie zu entfesseln, ihr nur die Richtunganzudeuten, in der sie wirken soll. Der Dichter kann sich auf die

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