Verschiedene
481.
unsre Seelen sie ermatten,gähnend schauen wir uns an.
Du wirst alt und ich noch älter,unser Frühling ist verblüht.
Du wirst kalt und ich noch kälter,wie der Winter näher zieht.
Ach, das Ende ist so trübe!
Nach der holden Liebesnotkommen Nöten ohne Liebe,nach dem Leben kommt der Tod.
Von dem Taumel des Genusses bleibt nichts als der Katzenjammerübrig, die Einsicht des Predigers: „Das Weib ist bitter", dieLebensmüdigkeit und die Blasiertheit.
Heine war von seiner realistischen Lyrik des Genusses wenigbefriedigt. Mehr als einmal hat er ausgesprochen, daß er von denneuen Gedichten nicht viel hielt. Er wußte, daß sie die Tiefe undInnigkeit seiner früheren Lieder nicht erreichten. Es zog ihn zurückzu der alten Romantik, und wenn er diesem Zuge nachgab, ge-langen ihm Poesien wie die besten des „Buchs der Lieder":
Es ragt ins Meer der Runenstein,da sitz' ich mit meinen Träumen.
Es Pfeift der Wind, die Möwen schrein,die Wellen, die wandern und schäumen.
Ich habe geliebt manch schönes Kindund manchen guten Gesellen —wo sind sie hin? Es pfeift der Wind,es schäumen und wandern die Wellen.
Der Realismus identifizierte sich in der Vorstellung des Dichtersmit Frankreich, die Romantik mit Deutschland. Dies war das Landseiner alten, jenes das seiner neuen Lyrik. Daraus entsprang dietiefe Sehnsucht nach der Heimat, die gerade in den „Verschiedenen"zum Ausdruck kommt. Der Dichter kann es nicht vertragen, daßdie französische Geliebte ihn nach Deutschland fragt. „Es hat seineGründe." Er seufzt, daß er gerne im Vaterland wäre, dessen Bildihm gleich einem Traum vorschwebt. Heines Anhänger zitieren ge-wöhnlich diese Gedichte, um seinen Patriotismus zu verteidigen,
Wolff, Heine 31