Neuer Frühling
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Apch ein Jahr später scheiterte er, weil der Zensor zu „wüst" indem Manuskript gehaust hatte. Erst 1844 erschienen die „NeuenGedichte". Sie enthalten, abgesehen von den „Zeitgedichten", diedamals, und „Zur Ollea", die erst 1852 hinzugefügt wurden,mit wenigen Ausnahmen die Lieder der verschiedenen Salonbände,die Lyrik Heines seit Erscheinen des „Buches der Lieder".
Der „Neue Frühling" (I, 203) war schon in Deutschland ge-schrieben und in dem letzten „Band der Reisebilder" sowie in demzweiten des „Salon" erschienen. Es ist wieder ein lyrischer Zyklus,ähnlich dem „Intermezzo" und der „Heimkehr". Neuer Jubel er-wacht in der Brust des Dichters, der Lenz und eine junge Liebe
haben es ihm angetan.
Welch ein schauersüßer Zauber!
Winter wandelt sich in Maie,
Schnee verwandelt sich in Blütenund dein Herz, es liebt aufs neue.
Die ganze Natur hat sich gegen ihn verschworen, um ihn zu neuerLiebe zu verleiten. Der blaue Himmel, die Frühlingsluft, dieBlumen und der Sonnenschein, selbst die Nachtigall und die Rose„sind tief verwickelt in die Verschwörung". Wo die Welt so schön ist,da kann sein Herz nicht schweigen. Es muß mitlieben und mitsingen.Wieder in verschlungnen GängenHab' ich träumend mich verloren,und die Vögel in den Büschenspotten des verliebten Toren.
Doch wie in den früheren Zyklen ist auch diesmal dem Glück keineDauer vergönnt. Mit dem zwanzigsten Gedicht tritt der Umschwungein. Keine plötzliche Katastrophe, sondern der Dichter legt sich dieFrage vor, o.b die duftenden Rosen und die singenden Nachtigallenauch eine Empfindung haben. Der Zauber ist gebrochen. Er findet(21), daß sein trauriges Gesicht nicht zu dem blühenden Antlitzder Geliebten passe und er kann wieder Spott mit der eigenenLiebestrunkenheit treiben. Ernste Töne stellen sich ein, trübeErinnerungen an den alten König, der eine junge Frau nahm,die von einem schönen Pagen geliebt wurde: