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Heinrich Heine
Entstehung
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476
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XVII, Novellist!!

Kennst du das alte Liedchen?

Es klingt so süß, es klingt so trüb!

Sic mußten beide sterben,sie hatten sich viel zu lieb.

Aber das gehört der Vergangenheit an. Dieser Dichter stirbt nichtmehr aus unglücklicher Liebe, nur seine Liebe stirbt. Das ist dasCharakteristische des neuen Zyklus: die schöne Empfindung erlischtin der Verdrießlichkeit des Tages, in dem öden Einerlei des Lebens.

Himmel grau und wochentäglich!

Auch die Stadt ist noch dieselbe!lind noch immer blöd' und kläglichspiegelt sie sich in der Elbe.

Lange Nasen, noch langweiligwerden sie wie sonst geschneuzet,und das duckt sich noch scheinheiligoder bläht sich, stolz gesprcizet.

Schöner Süden! wie verehr' ichdeinen Himmel, deine Götter,seit ich diesen Menschenkehrichtwiederseh', und dieses Wetter!

Das ist das letzte Wort, das uns der Dichter diesmal zu sagenhat. Kein Unglück bildet den Abschluß, kein Verrat der Geliebten,kein Selbstmord des Liebenden. Die Liebe endet, weil dem Ver-fasser das Gefühl ausgeht. Sein Vorrat an Empfindungen ist er-schöpft, ihm bleibt nur ein „verdrossener Sinn im kalten Herzen",die Blasiertheit und Lebensmüdigkeit.

Der „Neue Frühling" enthält einige von Heines besten undzartesten Liedern, z. B. „Leise zieht durch mein Gemüt" (Nr. 6)oder Nr. 15 „Die schlanke Wasserlilie", aber als Ganzes bleibter hinter den früheren Zyklen zurück. Es ist zu viel Virtuositätdarin. Der Verfasser beherrscht den lyrischen Apparat mit einertödlichen Sicherheit; er läßt je nach Bedarf die Nachtigall, den„heraldischen Wappenvogel der Romantik", singen oder schweigen,die Rosen blühen oder verwelken, die Sonne leuchten oder sichverfinstern. Er macht das alles vortrefflich. Ihm fehlt nie dasrichtige Wort und das richtige Symbol. Er vermeidet alle Miß-