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Heinrich Heine
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XVII. Novellistik

des alten Tannhäuserliedes (I, 245). Er hat die langatmige Fassungder Überlieferung in energischer, echt poetischer Weise zusammen-gedrängt und die ganze Handlung in zwei dramatischen Szenendargestellt. In der ersten nimmt der Ritter Abschied:

Frau Venus, meine schöne Frau,leb wohl, mein holdes Leben!

Ich will nicht länger bleiben bei dir,du sollst mir Urlaub geben.

Frau Venus, meine schöne Frau,von süßem Wein und Küssenist meine Seele geworden krank;ich schmachte nach Bitternissen.

Die zweite Szene schildert seine Beichte in Rom und seine Ver-stoßung durch den Papst. Im Gegensatz zu der Sage wird HeinesTannhäuser nicht durch das Wunder des ergrünenden Stabesgerettet. Das liegt an der persönlichen Bedeutung des Gedichtesfür den Dichter. Auch Heines Flucht aus dem Venusberg war er-folglos, wie Tannhäuser zog es ihn zu Mathilden zurück.

„Ich liebe sie mit Allgewalt,mit Flammen, die mich verzehren, —ist das der Hölle Feuer schon,die Muten, die ewig währen?

Damit hört das Gedicht auf, eine alte Sage zu sein, und wirdzum modernen Zeitgedicht. In dem dritten Teil erzählt Tannhäuserzwar mit verzweifeltem Gemüte, aber auch mit sehr guten Witzendie Abenteuer seiner Rückreise von Rom bis Hamburg. Sie hättenauch bis Paris fortgesetzt werden können. Diese kurzen Epigrammesind sehr amüsant, aber in dem Tannhäuserlied konnten sie nur einUnterkommen finden, weil es sich nicht über das Erlebnis desVerfassers erhebt.

Den sämtlichen Bänden des „Salon" hat Heine eine Anzahlvon Gedichten beigefügt. Im Jahre 1838 dachte er daran, dieseneue Lyrik als „Nachtrag zum Buch der Lieder" zusammenzufassen,doch infolge von Gutzkows abfälliger Kritik unterblieb der Druck.