Schnabelewopski 467
ward beschlossen, daß sich die beiden noch denselben Tag auf Parisiens schlagensollten. Sie stachen aufeinander los mit großer Erbitterung. Die schwarzenAugen des kleinen Simson glänzten feurig groß und kontrastierten um sowunderbarer mit seineu Ärmchen, die aus den aufgeschürzten Hemdärmelngar kläglich dünn hervortraten. Er wurde immer heftiger; er schlug sich jafür die Existenz Gottes, des alten Jehovah, des Königs der Könige. Dieseraber gewährte seinem Champion nicht die mindeste Unterstützung, und imsechsten Gang bekam der Kleine einen Stich in die Lunge.
,O Gott!' seufzte er und stürzte zu Boden."
Der Vertreter des Deismus stirbt, indem er sich die Geschichteseines großen, aber ebenso unglücklichen Namensvetters aus demAlten Testament vorlesen läßt, und Schnabelewopski bricht daraufmit der dicken Wirtin, die das Unheil durch ihr schlechtes Essen an-gerichtet hat, obgleich sie ihm Austern und Krebssuppe verspricht.Das Duell um Gott bildete in dem Plan des Gesamtromans nureine Episode, in dem vorliegenden Fragment ist es die Hauptsache.
Sowohl die frivole Behandlung der Gottesfrage als die Schmutze-reien erregten bei den Verehrern Heines Bedenken, bei seinen FeindenEmpörung. Er selbst suchte die Zoten nachträglich mit einer poli-tischen Absicht zu entschuldigen. „Ich wollte", meinte er, „deröffentlichen Meinung eine gewisse Wendung geben. Besser, mansagt, ich sei ein Gassenjunge, als daß man mich für einen allzuernsthaften Vaterlandsretter hält." Es gab noch andre Mittel, umvon den Republikanern abzurücken. Durch diese Entschuldigungerkannte Heine nur an, daß die Zoten des „Schnabelewopski"unentschuldbar sind. Die Komik drängt zur Darstellung des Niedernund des Sexuellen, denn gerade der Geschlechtstrieb zeigt denMenschen in seiner ganzen grotesken Zwiespältigkeit. Rabelais,Cervantes, Voltaire, ja selbst Shakespeare haben keine Scheu vordem Niedrigsten gekannt, wenn ihr Plan oder ihre satirische Ab-sicht seine Darstellung erforderten. „Andre Zeiten, andre Vögel."Wir verlangen heute eine größere Schonung unsres sittlichen Ge-fühles. Wenn etwas Heine als Entschuldigung dienen kann, so istes der glänzende Witz, mit dem er diese Gemeinheiten und Blas-phemien vorträgt. „Schnabelewopski" ist wohl sein witzigstes Werk,
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