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Heinrich Heine
Entstehung
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XVII, Novellistik

der Dichter eine andre Motivierung suchen, nicht eine, die seinenHelden, dieses Muster seines Volkes, zu einem Egoisten stempelt,der nur auf die eigne Rettung bedacht ist. Diesen Mißgriff wirdman zugeben, man wird auch zugeben, daß die Gestalt des ge-tauften Don Isaak, sobald man eine historische Kritik anlegt,nicht standhält; und doch bleibt das Fragment ein großes Kunst-werk. Es zeigt den Verfasser als Meister des erzählenden Stiles.Die Ereignisse werden in einer klaren, eindrucksvollen Spracheobjektiv berichtet, ohne die subjektive Einmischung des Autors, dieder Mitwelt Heines Schreibweise so pikant, der Nachwelt, selbstwenn sie diese persönlichen Unterbrechungen noch versteht, häufigunleidlich macht. Die Sprache ist natürlich, knapp, ohne gesuchteKürze, der Ausdruck überall anschaulich. Das Passahfest in Bacharach,die Fahrt auf dem Rhein in der sprossenden Frühlingsnacht, dasmittelalterliche Leben in der freien Reichsstadt Frankfurt, dasTreiben in der schmutzigen Judengasse und der Dienst in derSynagoge, das sind Bilder, die Heine mit meisterhafter Eindring-lichkeit und Gegenständlichkeit zu schildern weiß. Sein epischer Stilist nicht der Goethes, nicht der der vollendeten Ruhe und desabgeklärten Aufgehens in den Dingen, er behält selbst in derobjektiven Erzählung einen nervös prickelnden, subjektiven Reiz, aberer ist ebensoweit von der modernen Stilvermischung entfernt, diedas Dramatische mit dem Epischen zu verschmelzen sucht und da-durch weder dramatisch noch episch ist. Der Erzähler muß sichdarüber klar sein, daß seine Handlung in der Vergangenheit liegt.Jeder Versuch, sie als Pseudogegenwart dazustellen, verlockt ihnauf Kosten des Kunstwerkes auf eine falsche Bahn. Heine hat diesenFehler vermieden, der „Rabbi" darf als ein Muster epischer Schreib-weise dienen, und es ist bedauerlich, daß der Roman nicht zu Endegeführt wurde.

Der erste Band des „Salon" brachte die „Memoiren des Herrnvon Schnabelewopski" (IV, 91), wenigstens ihr „erstes Buch", daseinzige, das überhaupt erschienen ist. Auch dieses Werk, das offenbarein großer satirischer Zeitroman werden sollte, blieb Fragment. Wir