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Heinrich Heine
Entstehung
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463
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Der Rabbi von Bacharach

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„Du hast uns nie geliebt, Don Isaak, ,

„Ja" — fuhr der Spanier fort — „ ich liebe eure Küche weit mehr alseuren Glanben; es fehlt ihm die rechte Sauce. Euch selber habe ich nie ordentlichverdauen können. Selbst in euren besten Zeiten, selbst unter der Regierungmeines Ahnherrn Davids, welcher König war über Inda und Israel, hätteich es nicht unter euch aushalten können, und ich wäre gewiß eines frühenMorgens aus der Burg Sion entsprungen und nach Phönizien emigriert,oder nach Babylon, wo die Lebenslust schäumte im Tempel der Götter . . ."

„Du lästerst, Isaak, den einzigen Gott" — murmelte finster der Rabbi— „du bist weit schlimmer als ein Ehrist, du bist ein Heide, ein Götzen-diener . . ."

„Ja, ich bin ein Heide, und ebenso zuwider wie die dürren, freudlosenHebräer sind mir die trüben, qualsllchtigen Nazarener. Unsre liebe Frau vonSidon, die heilige Astarte, mag es mir verzeihen, daß ich vor der schmerzen-reichen Mutter des Gekreuzigten niederkniee und bete . . . Nur mein Knie undmeine Zunge huldigt dem Tode, mein Herz blieb treu dem Leben! ..."

Auf dem Gegensatz zwischen dem Orthodoxen und dem Ab-trünnigen, der wohl den Glauben, aber nicht die Fleischtöpfe Israelsvergessen konnte, beruhte offenbar der weitere Verlauf des Romans.Das Vorhandene reicht nicht aus, um auch nur eine Vermutungüber den Plan der Fortsetzung aufzustellen, zumal da die Gestaltdes Konvertiten offenbar nachträglich retouchiert ist und dadurcheine Färbung erhalten hat, die ihre ursprüngliche Bedeutung nochweniger erkennen läßt.

Die Kritik hat sich mit Recht von jeher dagegen gewandt, daßdieser Rabbi, der ein Muster von Glaubenseifer und Glaubens-treue darstellen soll, seine Gemeinde in dem Augenblick der größtenGefahr, ja der unvermeidlichen Niedermetzlung verläßt, um seineFrau und sich selber zu retten. Der Hirt darf die Herde nichtverlassen, und wenn er ihr nicht helfen kann, so muß er bei ihrausharren, muß ihr den Todesgang durch Wort und Beispiel er-leichtern. Das war die Pflicht des Rabbi. Zwischen der Schil-derung des Dichters und den Taten des Helden besteht ein un-erklärlicher Bruch. Offenbar war es für den weitern Verlauf desRomans notwendig, daß der Rabbi und seine Sara die einzigenÜberlebenden ihrer Gemeinde waren, aber in diesem Falle mußte