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XVII, Novellistik
ich habe gewallig beschworenden tausendjährigen Schmerz,
Es weinen die Großen und Kleinen,sogar die kalten Herrn,die Frauen und Blumen weinen,es weinen am Himmel die Stern'!
Und alle die Tränen fließennach Süden im stillen Verein,sie fließen und ergießen
sich all' in den Jordan hinein," (II, 165,)
In Lüneburg und Güttingen hat Heine an dem „Rabbi" gearbeitet.Er rückte nur sehr langsam fort und bereitete ihm unsäglicheSchwierigkeiten, Manchmal zweifelte er, ob er überhaupt die Gabedes Erzählers besitze, dann wieder schob er die dürftigen Fortschritteauf die Sprödigkeit des Stoffes, denn der Roman sollte nicht nureine Dichtung werden, sondern auch den höchsten historischen An-sprüchen genügen, so daß er „von den Zunzen aller Jahrhunderteals Quelle" benutzt werden könne. Mit Eifer studierte Heine alleihm erreichbaren Werke über jüdische Geschichte, aber sie genügtenihm nicht, und dauernd wendete er sich an die Berliner Freunde,die ihm bald Notizen über die spanischen Juden, bald die Über-setzung einer Talmudstelle schicken sollen. Er betrachtete die Dichtungals eine „gottgefällige Handlung", in einer Stimmung höchsterpoetischer und religiöser Weihe schrieb er daran und berichtete demFreunde Moser: „Mit unsäglicher Liebe trage ich das ganze Werkin der Brust. Ist es ja doch ganz aus der Liebe hervorgehend,nicht aus eitel Ruhmgier. Im Gegenteil, wenn ich der Stimmeder äußern Klugheit Gehör geben wollte, so würde ich es garnicht schreiben. Ich sehe voraus, wie viel ich dadurch verschütte undFeindseliges herbeirufe. Aber eben auch weil es aus der Liebehervorgeht, wird es ein unsterbliches Buch werden, eine ewige. Lampe im Dome Gottes, kein verpraffelndes Theaterlicht."
Solche erhebenden Augenblicke sind selten im Leben jedesDichters, in Heines unruhiger und zersplitterter Existenz warensie sehr spärlich. Wenn die Freunde schon auf den Abschluß des